Ihr dürft euch freuen, daß ihr das alles miterlebt

von: Irmgard 13. September 2011
(Lukas 10, 23)

Der Papst kommt nach Erfurt

So vor zwei Jahren kam die laut Presse nun mächtigste Frau der Welt nach Erfurt, um der Thüringer CDU Wahlkampfhilfe zu leisten. Ein paar Polizeiautos standen in den Nebenstraßen am Hauptbahnhof, unsere Freunde und Helfer hielten sich etwas im Hintergrund; so viel zu bewachen gab es schließlich auch nicht.
Die Straßenbahnen fuhren weiterhin. Jeder, der wollte, kam dazu. Man grinste über die Plakate der “Partei” und die Presse filmte angestrengt über unsere Piratenfahnen hinweg.
Nix weiter.

So ebenfalls vor zwei Jahren kam der mächtigste Mann der Welt nach Dresden. Da ging es schon etwas mehr zur Sache; für einen Nachmittag lang war die Protokollstrecke gesperrt und die Altstadt dicht und die Leute standen im Stau. Aber es ist mir nicht bekannt, daß das öffentliche Leben in der Landeshauptstadt zusammengebrochen wäre. Manche haben halt das beste daraus gemacht: “Nu mir gönn!”

Jetzt kommt der Repräsentant des kleinsten Landes der Erde nach Erfurt. Der Nachfolger des Mannes, der mit Fischern durchs Land zog, der keine Berührungsängste vor Huren oder den verhaßten Staatsbütteln hatte, der sich mal eben vor ein paar tausend Leute hingestellt und gepredigt hat.

Für 2 Tage wird nun eine ganze Stadt lahmgelegt.

Wenn in Erfurt die Innenstadt gesperrt ist, heißt das in der Tat, daß überhaupt kein brauchbarer öffentlicher Nahverkehr mehr möglich ist, weil sämtliche Straßenbahnlinien durchs Zentrum führen.

Allzuviele Einfallstraßen hat Erfurt nicht. Da die gesamte Anbindung vom Flughafen her gesperrt ist, können manche der dort ansässigen Firmen an dem Tag schließen - weil schlicht und ergreifend keiner mehr auf Arbeit kommt.

„Nutzt das leidige Geld dazu, Gutes zu tun.”

(Lukas 16,9)

Wer auswärts wohnt und hier arbeitet, muß kilometerweite Umwege fahren, um irgendwie nach Erfurt hineinzukommen.
Einige Angestellte im Krankenhaus müssen am Vorabend im Krankenhaus übernachten, weil sie an dem Großen Papstbesuchstag nicht mehr auf Arbeit kommen können, der Stationsbetrieb ja aber aufrechterhalten werden muß.

Nicht nur wir haben etliche Kunden im “Sperrbezirk”. Wenn dort der Server ausfällt, ist es zwar dann irgendwie blöd, aber meist nicht existenziell. Wenn aber das Havariefahrzeug dann nicht mehr zum Wasserrohrbruch in der Wohnung kommen kann, ist es schon bedenklich.

„Macht euch keine Sorgen ums Essen und um eure Kleidung ”

(Lukas 12,22)

Welche Gaststätten und Einzelhandelsbetriebe alle schließen müssen, ist immer noch nicht bekannt. Aber es soll ja noch mit jedem ein Gespräch geführt werden.

„Laßt die Kinder doch zu mir kommen und hindert sie nicht.”

(Lukas 18,16)

Sämtliche Schulen und etliche Kindergärten werden geschlossen. Naja mein Sohn freut sich. Er kann aber auch schon für sich alleine sorgen - wer kleinere Kinder hat, muß halt zusehn.

„Mußtet ihr wirklich mit Schwertern und Knüppeln anrücken, als wäre ich ein Verbrecher? ”

(Lukas 22,52)

Die Wohnungen um den Domplatz herum werden- nein, nein, nicht von der Polizei durchsucht. Die Polizisten “führen nur Gespräche mit den Anwohnern”. Und sie “weisen sich aus”.

„Unterwegs breiteten die Leute ihre Kleider als Teppich auf die Straße.”

(Lukas 19,36)

Es ist verboten, aus dem Fenster zu schauen! Jawoll, die Anwohner am Domplatz, die an dem Tag sowieso recht eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit sind, dürfen das Spektakel vom nicht Fenster aus verfolgen. Die Fenster bleiben zu!

So schönes Bürokratendeutsch hab ich wohl noch nie gelesen:

Daraus resultierend kann ein Einwirken und damit der Eintritt eines schädigenden Ereignisses auf den Konvoi des Papstes mittels abstrakt gefährlicher Gegenstände nicht ausgeschlossen werden.

Den ganzen Text in allerbestem Bürokratisch gibt es auf erfurt.de

Von Donnerstag Nacht bis Sonnabend Mittag wird dann auch noch die A38 gesperrt. Hoffentlich sagt man den geplanten 32.000 Besuchern für die Messe im Eichsfeld vorher rechtzeitig, daß der nächste Parkplatz 12km Fußweg entfernt ist.

Von der Schutzwürdigkeit runder Ecken

von: Irmgard 11. August 2011

Absurdes im August 2011

Samsung möchte gern sein neues Galaxy Pad verkaufen, darf es aber nicht. Denn es hat runde Ecken und eine flache Oberfläche.

Diese weltweit einmaligen Merkmale läßt Apple sich mit einer einstweiligen Verfügung schützen:

  • ein rechteckiges Produkt mit vier gleichmäßig abgerundeten Ecken
  • eine flache, klare Oberfläche, welche die Vorderseite des Produkts bedeckt
  • eine sichtbare Metalleinfassung um die flache, klare Oberfläche
  • ein Display, das unter der klaren Oberfläche zentriert ist

Denn

“Das iPad hat das Produktsegment der Tablet Computer revolutioniert und sticht deutlich heraus.Daher wird ein Produkt, das im Wesentlichen dieselben Designmerkmale hat wie das iPad, sehr  leicht mit dem iPad verwechselt, jedenfalls wird der Verbraucher zumindest zu der Annahmeverleitet, dass das kopierte Produkt dieselbe Qualität hat wie das iPad.”

Deswegen besteht natürlich auch akute Verwechslungsgefahr von einen iPad mit einem Küchenbrettchen und Apple mußte dieser Produktpiraterie umgehend mit geballter Rechtsanwaltskraft begegnen.

Kaffee kann man aus einem Becher trinken oder aus einem Pott. Dann hat man einen Kaffeepott.

Eier kann man in einen Becher stecken oder auch in einen kleinen Pott. Der darf dann aber nicht eiPott heißen. Es könnte schließlich jemand auf die Idee kommen, es mit einem Music Player - nein nicht gleichen Namens, nur gleicher Lautmalung - zu tun zu haben.

Diese Urteilsbegründung ist natürlich unsinnig. Was eher einleuchten dürfte wäre sowas wie: he, wir haben hier hochbezahlte Werbefuzzis das ausbrüten lassen, jetzt klaut uns mal nicht unsere Ideen sondern habt selber welche.

Mit Ideenklau macht sich ja grad die CDU in Berlin lächerlich: Das Wahlplakat mit dem Hund und der Katze wurde inspiriert von einer Titelseite der Titanic aus dem Jahr 2005.

Sozusagen Cat Dog Union - das ist jetzt geklaut von G+ - aber ich weiß nicht mehr von wem! Bitte melden!

BTW: Ich würd ja gern wissen, ob Apple auch dann durchgekommen wäre, wenn der Eierbecher Eipott gehießen hätte.

Und dann gibt es noch diese Sache mit der Benutzeroberfläche von Smartphones: Beim schnellen Scrollen “hüpft” eine Seite quasi noch ein wenig, bis sie wieder verharrt. Diesen Effekt hat sich Apple patentieren lassen was zu einem Patentkrieg auf dem Rücken der Kunden führt - denn die können nicht kaufen, was sie gern möchten.

Freie Marktwirtschaft - ha! Ich will endlich mein Samsung Galaxy S plus!

Es wiehert der Amtsschimmel

von: Irmgard 21. Juni 2011

Im Rahmen des Programms für Bürokratieabbau (http://www.bundesregierung.de/nn_151820/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/Reformprojekte/doorpageelement-buerokratieabbau.html ) hat unsere Regierung in ihrer unergründlichen Weisheit dieses festgelegt:

Die Lohnbuchhaltung benötigt einen „Nachweis der Elterneigenschaft aller Mitarbeiter, sofern gegeben. Allein der Nachweis des Kinderfreibetrages auf der Lohnsteuerkarte ist für die Prüfung im Rahmen der Deutschen Rentenversicherung nicht ausreichend.“

Sprich, das Steuerbüro braucht die Kopie der Geburtsurkunde von einem Kind, sofern vorhanden. Zur Erklärung: Das Zeugen, Gebären oder Adoptieren von Kindern führt zu einer Verringerung des Beitrages für die Pflegeversicherung, weil die Kinder sich ja dann schließlich mal um ihre dementen Alten kümmern werden.

Viele Kinder führen dabei nicht zur weiteren Verringerung; ein Kind reicht.

Weil man in unserem Land ja auch gar nicht weiß, wem die ganzen Kinder gehören, wird ja gerade auch das Volk gezählt. ( http://zensus11.de/ )

Ich kann nix dafür aber ich bin zumindest in der richtigen Partei. :)


Genau dies hab ich an meine Kollegen gemailt - mußte ich ja, denn das Steuerbüro will das Papier.

Die Arbeitsproduktivität sank daraufhin schlagartig, weil sich jetzt jeder über diesen Schwachsinn aufregt.

Es ist so krank: Das Finanzamt weiß es, die Kindergeldkasse weiß es, der Kindergarten/Hort weiß es, die Krankenkasse weiß es und damit auch die Rentenversicherung, alles ist doch sowieso vernetzt - aber nein

MEHR PAPIER BRAUCHT DAS LAND!

Das Internet ist kein Radio!

von: Irmgard 10. Dezember 2010

Unsere Politiker haben doch allesamt voll einen an der Waffel. Oder wie kann man mit gesundem Menschenverstand ernsthaft beschließen, “Sendezeiten” für das Internet einzuführen?

Und alle regierenden Parteien nicken ab. Auch wenn man ja eigentlich dagegen wäre, ist man trotzdem für diesen “Jugendenmedienschutzvertrag”. Aus Fraktionstechnischen Gründen. Oder so.

Aber ein “Internetministerium” einführen wollen - wo man keinen Plan vom Internet hat. Naja, “keine Ahnung und davon viel” ist ja offensichtlich Grundvoraussetzung.

Sie werden es nicht begreifen: da kann man noch soviel Gesetze machen - Ideen lassen sich nicht einsperren. Die Leute mit Ahnung sorgen schon für Alternativen.

Für die Abmahnanwälte ist das ein gefundenes Fressen. Da reibt sich bestimmt schon mancher die Hände und hat die ersten Abmahnungen bereits im Postausgang liegen. Da werden es vielleicht auch die Leute mitkriegen, an denen alles vorbeigeht, weil man sich mit der eigenen kleinen Webseite plötzlich strafbar gemacht hat.

Bis dahin werden  wir erstmal weiterhin nach Bombenkoffern auf Weihnachtsmärkten Ausschau halten und die Nachbarn bei der Polizei anzeigen, wenn sie unverständlich reden.

Vom Winde verweht

von: Irmgard 17. November 2010

Da haben wir jetzt eine größere Menge Computerzeugs in einer größeren Behörde aufgestellt.

Vor den Büros der größeren Chefs mußten unsere Techniker warten, bis der Feng-Shui-Berater seine emphatischen Eindrücke in Positionierungen von Steinchen manifestiert hatte, nach denen dann auch Tastatur und Monitor ausgerichtet wurden. Das ist kein Witz.

Nun, da sind wir doch jetzt beruhigt und erfreut, daß unsere Steuergelder fließen und vom Wind zerstreut werden. Oder so.