Das mit den Umfragen

von: Irmgard 4. Juli 2015

Das mit den Umfragen ist ja so eine Sache. Mit entsprechend geschickter Fragestellung bekommen eher die Fragenden ihr Wunschergebnis als die Befragten.
So haben die Dresdner vor 10 Jahren erst hinterher gemerkt, dass sie nicht gefragt wurden „Wollt ihr die Waldschlösschenbrücke” sondern „Wollt ihr die Waldschlösschenbrücke” aber da war es zu spät und das Weltkulturerbe war weg.
Das war nun irgendwie doch nicht das, was sich die Leute erwartet hatten und ein paar Idealisten haben auch versucht, das Alles noch zu reparieren, aber hey. Umfrage ist Umfrage und wo kämen wir denn hin, wenn man sich da nicht daran halten würde, die Leute hätten ja lesen können, was sie da abstimmen.

Jetzt soll ein  ganzes Volk mit einem Referendum über seine Zukunft bestimmen und fast alle, die ich kenne, finden das großartig.
Ich hätte ja gern vorher den Umfragetext gelesen, bevor ich mir eine Meinung bilde. Eine wortgerechte Übersetzung soll aber wohl schwierig sein, weil der Text in Hochgriechisch verfasst ist - also quasi Amtsdeutsch auf griechisch.

Aber irgendwie soll „Nein” wohl für Tsipras und gegen die EU sein bzw. umgekehrt.
Wahlweise soll „Nein” auch für Demokratie und gegen Sparpolitik stehen und „Ja” dann offenbar für das Gegenteil davon.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: ich wünsche mir wirklich sehr oft, dass Bürger viel mehr in Entscheidungen einbezogen werden, die sie selber betreffen. Aber dazu gehört als Grundvoraussetzung eine umfassende Information: Welche Möglichkeiten gibt es, welche Konsequenzen ergeben sich jeweils daraus.
So klar, wie das den vielen Menschen mit Meinung jeweils scheint, erscheint es mir jedenfalls nicht, denn die erwarteten Konsequenzen sind in der aktuellen Berichterstattung immer mal andere.
Oder gar keine. Dagegen! Dafür!

In Dresden ist nichts schlimmeres passiert, als dass eine Stadt sich weltweit blamiert und viel Geld für eine hässliche Brücke inclusive 5 Jahre Verkehrschaos ausgegeben hat.

Was in Griechenland passieren wird, ist noch nicht absehbar. Sowohl die eine als auch die andere Entscheidung wird auf jeden Fall schmerzliche Folgen haben, aber nun können jeweils andere Politiker die Verantwortung dafür von sich weisen - denn die Menschen hätten es ja so gewollt.

„Ein offenes Netz bedeutet viele Verlockungen”

von: Irmgard 26. Mai 2013

„Es ist notwendig, dafür die Weichen zu stellen.”

Diese Sätze lese ich gerade im Interview mit Gesche Joost, der Frau für Netzpolitik im Kompetenzteam von Peer Steinbrück.

Das klingt für mich sehr nach „Jugendschutzmedienstaatsvertrag” „Zugangserschwerungsgesetz” „Leistungsschutzrecht” und wie die ganzen Schweinereien alle noch heißen.

Aber die Piraten betrachten „das Thema Netz isoliert” und den „Brückenschlag” zu „Bildung, Menschen mit Behinderung, Zukunft der Arbeit, Kreativwirtschaft” stellt die SPD mit ihrer Netzpolitik her?

Es ist offenbar nicht leicht zu verstehen - aber wir leben einfach selbstverständlich mit dem Netz. Ich philosophiere auch nicht ständig über das Straßennetz, wenn ich nach Frankfurt oder Dresden fahre sondern rege mich höchstens über Baustellen auf. Paketdienste sind selbstverständlich, es nervt nur, wenn es mal länger dauert. Wenn ich ein altes Buch aus dem Regal hole und darin stöbere, ist das keine Meldung wert. Um miteinander zu reden, auch wenn man am anderen Ende von Deutschland (oder der Welt) sitzt, braucht man kein Telefon, um Texte miteinander zu schreiben, reicht - ja genau - ein Internetzugang. Im Übrigen ist die „Internetgeneration” schon 23 Jahre alt. Es ist traurig, daß das immer noch so als bemerkenswert und neu - und als gefährlich! angesehen wird.

Das Frauenbild von Frau Joost gefällt mir auch nicht.

Also bei vielen technischen Entwicklungen wären die Teams hauptsächlich mit Männern besetzt. Ok, stimme ich zu. Ich denk mir sowieso, daß die Spülmaschine von einem Mann erfunden wurde, der mal am Wochenende den Abwasch einer 6-köpfigen Familie bewältigen mußte.

Frau Joost sagt, Frauen würden andere Themen in die technische Entwicklung einbringen. Stimme ich auch zu.

Das ist jetzt die Stelle, wo ich mich frage: Bin ich nur in einer bubble oder sind es solche Leute wie Frau Joost:

„Jüngere Frauen spüren einen starken Druck, ständig auf Facebook präsent zu sein. Ältere glauben, wegen der Kinder ihr Handy nie ausschalten zu können.”

Ähh.  Diese Meinung über Frauen ist .. bemerkenswert beleidigend. Das sollen die „anderen Themen” sein, die Frauen einbringen?

Es war auch nicht wirklich eine Antwort auf die Frage. Die kommt hier:

„..sie haben eine App vorgeschlagen, die Störgeräusche simuliert. Dann können Sie dem Anrufer sagen, den sie nicht einfach so abwimmeln können: ich kann Sie gerade nicht verstehen..”

Liebe Frau Joost. Einem Versicherungsverkäufer kann ich z.B. auch freundlich sagen „Es ist zwar alles ganz schön, was Sie da erzählen, aber ich brauche es nicht”. Oder ich flöte ins Telefon „Meine Mama ist im Urlaub und kommt in 3 Wochen wieder”. Klappt auch.

Aber die neuen technischen Themen von den Frauen beziehen sich ja vorgeblich auf Höflichkeit in der modernen Kommunikation.
Wenn jemand anruft und ich gerade keine Zeit habe, sag ich das einfach bzw. ich bitte darum, es kurz zu halten und melde mich später, wenn es besser paßt.  Hab noch niemanden getroffen, der sich darüber beschwert hätte.

Und wenn ich ein Störgeräusch bräuchte, würde ich z.b. den Mixer daneben halten. Oder das Handy anpusten. Da brauch ich keine App. Aber auf die Idee bin ich noch nie gekommen. Das ist ja nun gerade ausgesprochen unhöflich und irgendwie auch peinlich.

Pressegesetz in Ungarn 2011

von: Irmgard 7. August 2011

Was ist los in Ungarn?

Die nicht ganz mehr so jungen unter uns verbinden mit Ungarn das Land, in dem der Sozialismus nicht ganz so schlimm war; Budapest war die Stadt wo man “Hair” sehen konnte, wo die Schaufenster etwas bunter waren und die Menschen lockerer.

Ungarn wurde das Tor zur Freiheit noch bevor die Mauer hier zusammenfiel.

Was wir jetzt an Berichten und Kommentaren lesen, erweckt ein Bild, was die Zeiten der Einheitspresse und der Einheitspartei wiedererstehen läßt. Die Meinungen der Betroffenen weichen allerdings oft von den Kommentaren in den deutschen Zeitungen ab.

Die Regierung

Sitze nach der Parlamentswahl April 2010

Fidesz
Fiatal Demokraták Szövetsége
Bund Junger Demokraten 227
KDNP
Kereszténydemokrata Néppárt
Christlich-Demokratische Volkspartei 36
MSZP
Magyar Szocialista Párt
Ungarische Sozialistische Partei 59
Jobbik
Magyarországért Mozgalom
Bewegung für ein besseres Ungarn 47
LMP
Lehet Más a Politika
Die Politik kann anders sein 16

Das Bündnis aus Fidesz und KDNP hat damit eine 2/3 - Mehrheit.

Das neue Pressegesetz

Worum geht es eigentlich?
Der ungarischen Regierung wird vorgeworfen, mit dem Pressegesetz massiv in die Pressefreiheit einzugreifen. Die Medien sind angehalten, eine “ausgewogene Berichterstattung” vorzunehmen, was auch immer das heißen mag. Verstöße dagegen können mit Geldstrafen geahndet werden.

Sind eigentlich mehrere Gesetze

der umstrittene act:

Juristendeutsch zu verstehen, ist schon schwierig genug, das Ganze dann aber auch noch in Englisch, überfordert mich ein wenig.
Der google-translator hilft auch nur bedingt.

Kommentare deutscher Zeitungen

Piratenmeinungen

Aktuelles aus der ungarischen Politik

Unser Handicap: wir sprechen und lesen kein Ungarisch. Wir müssen uns auf das verlassen, was uns von unserer Presse vorgesetzt wird.
Hier Beiträge von einem, der in “beiden Welten” lebt . Die Kommentare dazu sind ebenso lesenswert.

speziell zum Pressegesetz:

Interview mit dem Leiter der Professur für Politikwissenschaft III an der Andrássy Universität Budapest:

Ein Blick auf Leserbriefe anderer Zeitungen läßt sehr unterschiedliche Meinungen erkennen:

facebook-Seite

am Rande eine kleine Geschichtsreise: Medien in Ungarn vor 20 Jahren

Seite 38 ff

Was ist nun richtig?

Wird die Pressefreiheit in Ungarn nun wirklich bedroht?

Vor knapp zwei Jahren wurde der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen geschaßt - wieviel Pressefreiheit ist das denn?

Die Regierung in Ungarn wurde mit 2/3 - Mehrheit gewählt. Welches Recht haben wir jetzt, den Ungarn zu sagen, diese Regierung wäre schlecht?

Aus den Leserkommentaren von Ungarn lese ich eigentlich eher die Meinung, wir sollen uns doch mal bitte heraushalten, weil wir es nicht verstehen, was alles im Land läuft. Ja natürlich, möchte ich sagen, alles was wir darüber wissen, haben wir ja auch nur aus deutschen Zeitungen.

Wenn aber wirklich die Pressefreiheit gefährdet ist - sollten wir dann schweigen? Es gibt ja auch durchaus Seiten, wo auch von Ungarn dies als Unterdrückung der freien Meinungsäußerung angeprangert wird.

Wie kommen wir zu einem realistischen Bild? Gibt es das überhaupt?

Internet-Queen und Silver Surfer

von: Irmgard 10. Januar 2010

Es mag so an die 12 Jahre oder länger her sein, da war die “Internet-Queen” den Zeitungen seitenfüllende Artikel wert. Wenn ich mich recht erinnere, gab es auch Beiträge im Fernsehen dazu.

Jedenfalls fand ich es bemerkenswert, daß ein junges Mädchen einfach dadurch ins Licht der Öffentlichkeit rücken konnte, indem sie den ganzen Tag E-Mails schickte und mit Leuten aus aller Welt chattete.

Bloß so zur Erinnerung: an Google war noch nicht zu denken, es gab Deja-News und jede Menge Chats, man hatte nur richtige E-Mails in seinem Postfach (Spam kam erst später dazu) und die DSL-Flatrate war auch noch nicht erfunden.

Jetzt werden nicht die Jungen, sondern die Alten bewundert, die sich im Internet tummeln.

In der Zeitung lese ich, daß man ab 50 ein “Silver Surfer” ist und daß es offensichtlich genauso bemerkenswert ist, wenn ein solches Wesen E-Mails schreibt oder chattet oder gar das neumodsche Facebook oder Twitter nutzt.

Bis dahin habe ich zwar noch ein Jahr Zeit und vor dem “Silver” wird mich der Herr Schwartzkopf auch noch eine Weile bewahren, aber trotzdem. Ich hab noch 16 Jahre bis zur Rente und bin schon bald Senior - wow.

Aber das “Surfen” im Netz soll ja fit halten und Handys schützen vor Demenz.


BTW: Ich frag mich, wer den Blödsinn mit dem “Surfen” erfunden hat. Das bereitet schon fast Schmerzen, das immer wieder zu lesen.

Schlechtes Klima

von: Irmgard 22. Dezember 2009

So, nun ist wie erwartet, beim Klimagipfel nicht viel mehr als heiße Luft herausgekommen.
Vielleicht hätte man den auch nicht gerade im Winter in Skandinavien abhalten sollen, wo ein jeder sich den Hintern abfriert und insgeheim auf etwas Klimaerwärmung hofft.

Bei 35 °C im Schatten oder mit nassen Füßen auf einer Pazifik-Insel hätte man die Dringlichkeit möglicherweise etwas besser erkannt.
Na ja, das nächste Mal treffen sie sich in Mexico, vielleicht hilfts ja.

Trotzdem frohe Weihnachten!

Bildungsfernsehen

von: Irmgard 13. November 2009

Eben im Fernsehen:  Sagrotan vernichtet auch das auch Schweinegrippevirus!

Erst dachte ich, das gehörte noch zur Pastewka-Show, aber nein, das war schon die Werbung.

Alles klar, ich habs mir schon immer gedacht, daß das ganze nur ein riesiger Schwindel ist. Da wird ein Bohei um die Impfung gemacht und dabei muß man einfach nur die Wohnung richtig putzen.