Ich bin Piratin

Piratin im Stadtrat

von: Irmgard 28. Juni 2010

Ein Bericht von der Zuschauer-Empore 23.6./24.6.2010

Seit 23 Jahren wohne ich nun in Erfurt - langsam mal Zeit, sich auch mal die Leute anzuschauen, die Politik für diese Stadt machen.

Erste Erkenntnis: man soll sich eine Platzkarte vorher besorgen. Zweite Erkenntnis: so voll ist es längst nicht, zumindest wohl nicht bei strahlendem Sommerwetter. Die meisten Besucherinnen sind Tagesmütter, die sich für die zu treffende Entscheidung bezüglich der Vergütung von Tagesmüttern interessieren. Nein, ich bin keine Tagesmutter; ich erkläre, von der Piratenpartei zu sein und daß ich halt hingehe, weil mich die Arbeit des Stadtrates interessiert.

Eines vorweg: Ich hatte gehofft, hinterher ein Protokoll der Stadtratsitzung im Internet veröffentlicht zu finden und habe deshalb nicht alles mitgeschrieben. Das ist aber nicht vorgesehen, man kann die Protokolle wohl nur in den Bürgerbüros einsehen oder ich muß bis zum nächsten Erscheinen des Erfurter Amtsblattes  warten. Deshalb sind nicht alle Punkte vollständig - und man konnte auch nicht alle Menschen gut verstehen auf der Empore.

Die einzelnen Fraktionen handhaben es auch sehr unterschiedlich mit der Veröffentlichung; was ich dazu gefunden habe, ist verlinkt.

Die Tagesordnung ist vollgepackt und an einem Abend nicht zu schaffen. Die Tagesmütter stehen ganz weit hinten auf dem Plan und kommen heute nicht mehr dran.

Der OB eröffnet die Sitzung und hält sichtlich bewegt eine Abschiedsrede zum Tod von Benno Lemke, dem Geschäftsführer der Stadtratsfraktion der Linken. Auf dessem verwaisten Platz liegt ein großer Blumenstrauß.

Danach werden jede Menge Geburtstagsglückwünsche verlesen, man klatscht pflichtschuldig.

Es folgen eine Reihe von

Dringlichkeitsanträgen

von der FDP-Fraktion. Ein Teil wird als dringlich bestätigt, die Umbenennung des Erfurter Flughafens z.B. nicht.

Zur

Einwohnerfragestunde

werden kurz und bündig Anfragen von Erfurter Bürgen beantwortet. Die Ratsvorsitzende zieht ein straffes Tempo durch, viel Zeit ist dafür nicht.

Nach der

Bestätigung der Protokolle der letzten Ratssitzungen

folgen weitere

Anfragen

unter anderem fragt die FDP:

Hmm, als irgendwie dringlich hätte ich jetzt keins von diesen Themen gesehen, auf dem Anger stehen schließlich  Bäume und ich finde, man sollte die einfach wachsen lassen und ab und zu mal gießen und düngen und Parken kann man auch in einem von den Parkhäusern und muß dann hat ein paar Minuten laufen.

Die SPD fragt nach

  • dem Stand der Baustelle Magdeburger Allee 147 und muß sich sagen lassen, daß Baugenehmigungen nicht öffentlich sind - also weiß niemand, was damit wird.
  • weiter geht es um eine Ausgrabungstelle, deren Zustand miserabel ist und einen schlechten Eindruck auf Touristen hinterläßt.

Die CDU hat Anfragen unter anderm zu

  • Drogenmißbrauch
  • dem Lutherkonzept
  • und dem neuen Semesterzuschuß - falls das Auswirkungen auf den Haushalt haben sollte, soll es eine rechtzeitige Info an den Stadtrat geben.

Die Linke hat Fragen

  • zur Rasenheizung im Erfurter Stadion
  • zum Konzept Erfurter Flughafen

Bündnis 90 / Die Grünen fragen

Und die Freien Wähler fragen nach zu

  • Gewalt an den Schulen
  • Rauchverbote
  • 50 Jahre EGA

Die Anfragen werden nicht im Wortlaut verlesen, nur das Thema. Ohne die entsprechenden Texte dazu kann ich mir nur zu manchen Themen vorstellen, worum es da genau geht. Mal sehn, ob ich vor der nächsten Ratsversammlung ein paar mehr Informationen dazu bekomme.

Auf der Website von B90/Grüne kann man jedenfalls alle Anträge und Anfragen nachlesen. Bei allen anderen Fraktionen - Fehlanzeige.

Nahezu jede Fraktion bedankt sich erst einmal ausführlichst bei der Verwaltung für die Antworten. Ein Teil der Anfragen wurde offenbar zufriedenstellend beantwortet; der Rest wird in die verschiedenen Ausschüsse verwiesen.


Große Aussprache zu den Angelegenheiten der Ortsteile.

Ortsteilbürgermeister reden über Erfahrungen und Probleme; hier ein Querschnitt:

  • „Synergieeffekte” durch die Übergabe der Grünpflege ans Garten- und Friedhofsamt sind nicht erkennbar, wenn jetzt an einem Stück Grünstreifen vier Firmen beteiligt sind.
  • Die Anbindung an den ÖPNV ist schlechter geworden
  • Für Verbände oder z.B. die Freiwillige Feuerwehr ist kein Geld mehr vorhanden
  • Es gibt willkürlich geschaffene Ortsteile
  • massiver Abbau bei der Jugendarbeit
  • Die Ortsteilbürgermeister haben nur einen unzureichenden Entscheidungsspielraum (Einwurf: Solange kein Geld da ist, ist es auch egal, was nicht entschieden werden kann)
  • Bürger müssen besser einbezogen und beteiligt werden
  • Die Ortsteilbürgermeister müssen mehr Mitspracherecht bekommen - sonst machts bald keiner mehr in den kleinen Gemeinden
  • Ausbau der Radwege fehlt
  • Der Stadtrat soll sich an die Empfehlungen der Ortsteilräte halten, sonst ist deren Arbeit sinnlos
  • Ein Bericht zur Entwicklung der Erfurter Ortschaften soll alle 5 Jahre veröffentlicht werden, u.a. auch im Amtsblatt, um die Bürger besser einzubeziehen
  • Die Anbindung an den ÖPNV sei nicht schlechter geworden, koste aber eben auch Geld, dazu gab es den schönen Satz: Man müsse einen Spannungsbogen zwischen der effizienten Nahverkehrsanbindung und den Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger schaffen. Ah ja.
  • Im Amtsblatt sind noch nicht einmal Adressen und Sprechzeiten der Ortsteilbürgermeister veröffentlicht

Arbeit für die Stadt wird aber auch von engagierten Bürgern geleistet. Eine Vertreterin der Bürgerinitiative Ilversgehoven hält eine lange Rede über die Arbeit der Ehrenamtlichen, berichtet von den Aktionen in und um Ilversgehoven, von deren Arbeit und Erfolgen.

Inzwischen ist es 19:00 und es geht weiter mit den

Entscheidungsvorlagen.

Die Texte der Drucksachen, über die abgestimmt weder soll, sind leider nicht auf der Seite des Erfurter Stadtrates zu finden. Vermutlich muß man sich dazu auch in eines der Bürgerbüros begeben. Schade, das bin ich von den Piraten anders gewohnt.

Die vorzeitige Ausführung des Kanalbaus sowie Ausbau der Straßen in Ermstedt wird abgelehnt.

Der allgemein desolate Zustand der Straßen ist bekannt, aber es sind leider mal eben keine 80.000 EUR im Stadthaushalt dafür übrig. 2011 sollen diese aber eingestellt werden.

Dem Einwohnerantrag „Keine Personalkürzungen im Jugendhaus Wiesenhügel” fehlen leider die notwendigen Unterschriften, um ihn zuzulassen. 300 müßten es sein, 200 sind es, damit wird er abgelehnt. Der OB sagt, er wollte es zumindest versucht haben.

Im März ist beschlossen worden, daß an Asylbewerber Lebensmittelgutscheine ausgegeben werden sollen. Die SPD hat beantragt, diesen Beschluß wieder aufzuheben. Die Freien Wähler finden es zwar gut, daß die Menschen damit grundsätzlich mehr Flexibilität hätten, sorgen sich um die Kosten, die dabei irgendwie möglicherweise zusätzlich entstehen könnten.

Auch wenn das Landesverwaltungsgericht diesen Beschluß wohl sowieso aufheben wird, stimmen 27 Stadträte dagegen, die Ausgabe von den Gutscheinen jetzt aufzuheben, nur 17 sind dafür. Da hilft auch nicht die Ermutigung der Ratsvorsitzenden : „Wer für den OB ist, der soll jetzt mit JA stimmen.”
Man ist überwiegend weder für den OB noch für die Asylbewerber.

Es ist 19:45 - für heute ist Schluß. Deutschland spielt heute bei der WM.


Am 24. komme ich erst später, so zeitig konnte ich diesmal nicht Feierabend machen.

Der erste Tagesordnungspunkt für heute: Die Diskussion um den Sportstätten-Leitplan der Stadt Erfurt ist noch im Gange. Es geht gerade um den Neubau der 3. Schwimmhalle in Erfurt. Die Aufnahme in den Sportstättenleitplan wird abgelehnt. Vor allem die SPD betont, daß das nicht die Ablehnung der 3. Schwimmhalle an sich ist, sondern daß die Schwimmhalle ins Bäderkonzept gehört. Darüber wird aber heute nicht beschlossen.

Über die nächsten Entscheidungen wird zügig hintereinander abgestimmt, bis zum Beschluß über

die Ausweich-Trasse der Stadtbahn für den Bereich Bahnhofstraße und Bahnhofstunnel

Es soll erst einmal ein Gutachten darüber angefertigt werden, ob so eine alternative Streckenführung überhaupt möglich ist. Hintergrund der Geschichte ist, daß bei jedem Fußballspiel der gesamte Bahnhofsbereich gesperrt wird und die Leute zusehen können, wie sie in den bzw. vom Erfurter Süden kommen.

Die Freien Wähler sind skeptisch, denn allein so ein Gutachten kostet schon Geld und sie wüßten gern, über wieviel Geld denn jetzt überhaupt geredet wird. Das weiß leider keiner.

Die Linken finden es unsozial, daß jetzt Steuergelder aufgewendet werden sollen, um einen Bogen um die Randalierer zu machen.

Die CDU gibt zu bedenken, daß eine alternative Straßenbahntrasse sowohl den Flutgraben überqueren als auch unter der Bahn durch muß und daß es weder eine zweite Flutgrabenbrücke noch eine zweite Eisenbahnunterführung gibt. Aber man solle sich erst einmal die Planer anhören, vielleicht hätten diese ja noch eine  geniale Idee, auf die bisher noch kein anderer gekommen ist.

Es gibt noch eine Ergänzung: Die Fußgängerbrücke über den Flutgraben wird bald geöffnet, dann könnte sich auch das Polizeikonzept ändern, so daß bei Fußballspielen nicht immer der ganze Bahnhofsplatz gesperrt werden muß. Eine entsprechende Anfrage beim Innenministerium liege schon vor und wird möglicherweise in diese Richtung beantwortet.

Die Gegner des Gutachtens sind aber trotzdem in der Minderheit.

Wäre schon interessant, was dann das Gutachten kostet. Gebaut werden wirds vermutlich sowieso nicht, es sei denn, hier bricht der Reichtum aus.

Das nächste große Thema ist Leitbild für die Entwicklung des Bahnhofsareals des Erfurter Hauptbahnhofes

Es geht um die langfristige Konzeption für das Thomasviertel. “Das Beste ist für Erfurt gerade gut genug”.

Alle sind stolz auf das Leitbild und betonen, daß wirklich von jeder Fraktion ein Anteil dabei ist.

Die FDP will sich bei der Abstimmung aber trotzdem enthalten, denn ihr fehlt die Einbeziehung des Handels.

Die Freien Wähler geben zu bedenken, daß der Investor Krieger-Gruppe auch vorhat, die Einkaufsfläche des Thüringenparks zu verdoppeln und ob dann noch genügend Reserven - und Motivation - für das Bahnhofsviertel übrig bleiben. (Interview der TA mit Chef-Stadtentwickler Paul Börsch)

Die CDU erwidert, daß es schließlich Vereinbarungen gebe, und daß weitere Investitionen  der Krieger-Gruppe damit nichts zu tun haben.

Hoffen wir mal, daß es so ist.

Nach ein paar schnellen Abstimmungen geht es um Mietwohnungsneubau in Erfurt.

Von der CDU kommt ein Beitrag: Der Standort Erfurter Kreuz wächst und wächst. Die LEG kommt kaum hinterher mit den Erschließungsanträgen. Wir haben die Chance, daß die Einwohnerzahl von Erfurt wieder ansteigt. Dort arbeiten schließlich nicht nur Geschäftsführer sondern vor allen jede Menge Arbeitnehmer, dafür fehlen aber gute und bezahlbare Wohnungen. Die Stadt Erfurt sollte sich im Wohnungsbau engagieren.

Das sind doch mal erfreuliche Neuigkeiten und dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Weiter geht es Schlag auf Schlag mit den Abstimmungen. Bei der Wahl der ehrenamtlichen Richter für das Verwaltungsgericht Weimar hat ein Stadtrat offenbar Besseres zu tun, als die Hand zu heben sondern tippt auf seinem Notebook herum.

Endlich kommen wir zur besseren Bezahlung für Tagesmütter.

Der Zuschuß des Landes ist gestiegen, die Elternbeiträge sollten aber sinken, das wird jetzt nocheinmal im Ausschuß behandelt.

Zum Schluß einigen sich alle noch auf ein gemeinsames Radeln von Stadtrat, Stadtverwaltung und den Erfurter Bürgern.

Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel

von: Irmgard 5. Juni 2010

wünscht sich der neue Schatzmeister des LV Thüringen jetzt fürs nächste Jahr.

Es war ein anstrengender, aber guter Parteitag.

Landesparteitag der Thüringer Piraten 2010

Ahoi!

Piratenfahnen über Erfurt

von: Irmgard 31. August 2009

Derzeit wird vieles ganz schnell zu Geschichte.
Aber trotzdem, hier noch ein paar Erinnerungen an den letzten Auftritt von Althaus und “Änschie” unter orange-schwarzen Fahnen.

Am Freitag, dem 28. August wollte die CDU noch einmal heftig die Wahltrommel rühren (hat nicht ganz geklappt…).

Die Piraten ließen es sich nicht nehmen, Flagge zu zeigen - und wir waren die einzigen mit wehenden Fahnen!

Die CDU hat dafür mit zusammengefalteten Prospekten Krach machen lassen.

Zuvor

Die SPD hat ein Kinderkarussell aufgebaut und beschallt den Anger mit dem Ohrwurm aus 1492.

SPD Wahlkämpfer

“Auf zu neuen Ufern” oder was? Nun, wir werden sehen, ob es Mut zur Veränderung geben wird oder doch nur ein Mitregieren, egal wie.

Plakatsäulen

Wahlplakate Wahlplakate

Es würde mich wirklich mal interessieren, ob sich irgendein Mensch durch irgendeines dieser Plakate irgendwie beeinflussen läßt.

Für mein neues oranges Piraten-T-Shirt interessiert sich jedenfalls vorerst auch niemand.

Na ja, Saturn-Mitarbeiter rennen auch in orange herum; fiel mir so am Rande auf, als ich durchs Karstadt ging.

Am Hauptbahnhof ein beeindruckendes Polizeiaufgebot:

Polizeifahrzeuge

Welche Randalierer werden denn hier erwartet? Aber ich geh trotzdem nicht nach Hause.

Der eingezäunte CDU-Bereich ist noch recht leer, wichtige Männer in dunklen Anzügen bewachen das Ganze aber schon mal.

Security

Inzwischen haben sich ein paar Piraten mit leuchtenden Fahnen eingefunden und erregen ein wenig Aufmerksamkeit.

Piraten

Da noch Zeit ist, zeigen wir Flagge und laufen einmal auf und ab bis zum Anger.

Einmütig wird festgestellt, daß die Maus genau die richtige Piratenfarbe hat.

Dia Maus und die Piraten

Inzwischen hat die Presse ihr Equipment aufgefahren.

Presse

Wir schwenken unverdrossen unsere Fahnen und fallen auf.

Piratenfahnen vor dem Erfurter Hof

Neben uns stehen die Grünen und wollen mit einem armen Pinguin die Menschen vor der drohenden Erwärmung warnen.

Die Grünen

Irgendwann in den letzten Jahren muß ich die Farbveränderung der CDU verpaßt haben.

Für mich war die CDU immer schwarz. Die Roten und die SPD waren rot, die Grünen grün und die FDP gelb und blau.

Jetzt gibt es ein orangenes “Team Deutschland” und ein blaues “Team Thüringen” und noch ein paar orangene und blaue “Teams” und einen weiß-gelben Sonnenschirm. Nur die Security ist noch schwarz.

CDU in orange

CDU in blau

Security in schwarz.

So wirklich möchte man aber nicht mit dem gemeinen Volk zusammentreffen; der Bereich für die geladenen Gäste ist doppelt eingezäunt.

Zaun um die CDU Zaun um die CDU

Ich höre, wie sich ein Ehepaar beschwert, trotz Einladung nicht hineinzukommen.

Platz genug wäre ja eigentlich noch:
im Inneren des Zauns

Die Teams ziehen an einem Strick und schieben eine Schneise durch die Menge. Die Frage, ob die einen jetzt ein- oder die anderen jetzt ausgesperrt werden, konnte uns aber auch keiner beantworten.

Tauziehen

Hohle Gasse

Viel zu fotografieren gibt es anscheinend nicht

Presseleute

Auf jeden Fall gab man sich arg Mühe, unsere Fahnen NICHT mit ins Bild zu bekommen.

Piratenfahnen

Nach den den leutseligen gegenseitigen Begrüßungen und den Statements der Kandidaten und einer entsetzlichen Gesangsdarbietung war es dann endlich soweit: die Bundeskanzlerin und Herr Althaus zogen ein.

Frau Merkel mußte sich allerdings in Geduld üben. Über 10 Minuten lang begrüßte und beglückwünschte man sich noch einmal gegenseitig. Ich glaube, Frau Merkel ist in Gedanken den Zettel für den Wochenendeinkauf durchgegangen; ich zumindest hätte das gemacht; irgendwas Sinnvolles muß man ja mit seiner Zeit anfangen.

Dann redete Herr Althaus und es redete Frau Merkel und es kamen seit mehr als 20 Jahre verschüttete Erinnerungen wieder hoch an Reden von Funktionären über die Rolle der Bedeutung und die Basis als Grundlage für jedes Fundament aber heutzutage kann man ja herumlaufen und mit anderen Leuten schwatzen, das wäre ja nun damals undenkbar gewesen.

Wir wurden gewarnt vor den Radikalen, denen man unser schönes Thüringen keinesfalls überlassen dürfte, weil die sonst alles kaputt machen würden, was man so schön aufgebaut hat und überhaupt, so wie es ist, ist es doch gut und man wolle keinesfalls etwas ändern.

Frau Merkel erzählte eine kleine Geschichte von einem ungarischen Grenzer, der vor 20 Jahren den Schlagbaum hob, aber den Zusammenhang zur Landtagswahl hatte ich irgendwie verpaßt.

Unsere Fahnen wehten fröhlich über den Angie-Schildern, und nein, die “Worte des Unmuts” kamen nicht von den Piraten.

Piratenfahnen über Erfurt

Piratenfahnen über Erfurt

Tja nun, all die schönen Reden haben aber auch nichts genützt, jedenfalls Herrn Althaus nicht.

CDU am Ende

Farbenlehre 2009

von: Irmgard 21. August 2009

Die Straßen sind kunterbunt vor lauter Wahlplakaten. In Dresden ist der Wahletat dabei offenbar noch um einiges höher als in Erfurt, aber mir ist dieses aufgefallen:

Die Grünen sind grün, hier wie dort.

Die Roten sind mehr (Linke) oder etwas weniger (SPD) rot, aber ebenfalls einheitlich.

Die FDP leuchtet in Thüringen blau auf gelb, in Sachsen etwas dezenter gelb auf blau.

Die Braunen sind nicht braun sondern rot und schwarz.

Die CDU allerdings ist in Sachsen deutlich grün gefärbt und in Thüringen weiß, orange und leuchtendblau.
Merkwürdig.

Piratenpartei

Ich bin Piratin

von: Irmgard 28. Juni 2009

Piratenpartei Deutschland
Irgendwann ist vielleicht bei jedem das Maß voll.
Bei mir war es der Zeitpunkt, als unsere Bundesregierung beschloß, lieber die Gardinen zuzuziehen, als gegen das Unrecht vorzugehen und nicht nur das - sondern gleich alle pauschal zu Straftätern zu stempeln, die - absichtlich oder nicht - auf so ein “Stopschild” treffen.

Leute, wenn Ihr vom Internet nur Schlechtes glaubt, dann stellt euch das doch mal im täglichen Leben vor: Du gehst abends nach Hause und in der Unterführung siehst Du, wie ein Mann ein Kind mißhandelt. Während Du nach Deinem Handy nestelst, kommt die Polizei angerannt, stellt einen Sichtschutz davor und verhaftet DICH - “weil Du ja dieses Bild gesehen hast!” Wirds klarer?

Und wenn Du jetzt denkst - na ja, so kann unsere Regierung das doch sicher nicht gemeint haben - dann hast Du wohl recht.

So ein “Stopschild” eignet sich prima, um dahinter alle möglichen Dinge zu verstecken, vor denen Du “geschützt” werden sollst. Vor allem, weil NIEMAND kontrollieren DARF, was alles hinter diesen Stopschildern verschwinden soll.

Nicht umsonst steht die Musikindustrie schon in den Startlöchern und reibt sich die Hände. Dabei gibt es das Urheberschutzgesetz schon lange, womit gegen illegales Hochladen von Musik und Film vorgegangen werden könnte und auch wird. Aber so mit einem “Stopschild” ginge es ohne den Rechtsweg viel leichter.

Jetzt sagst Du: Ich lade doch sowieso keine Filme runter, mir ist das egal.

Aber Du suchst vielleicht mal nach irgendwelchen Dingen bei google? Du weißt, das Browser eine sogenannte prefetching-Funktionalität haben, das heißt, daß Seiten aus den Suchergebnissen schon vorgeladen werden, ohne daß Du den Link angeklickt hast?

Du weißt hoffentlich auch, daß Werbebanner, die ohne Dein Zutun eingeblendet werden, von Seiten stammen können, von denen unsere Regierung meint, ein “Stopschild” davorsetzen zu müssen?

Und Dir ist hoffentlich auch klar, daß damit Deine “IP-Adresse”, also die Nummer, mit der sich Dein PC aktuell im Internet identifiziert, auf solchen “Stopschild”-Seiten landet und Du Dir schon mal überlegen kannst, wie Du “Was war noch mal ein Browser?”-Menschen beweisen möchtest, daß Du NICHT auf so einen Link geklickt hast?

Zum Schluß und vor allem:

Wer weiß denn, was als nächstes dran ist? Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als “Westradio” oder  “Westfernsehen” zu Ärger führen konnten, wo “Westverwandschaft” berufliche Einschränkungen brachte.
Ich wünsche mir diese Zeit aber definitiv nicht zurück und deshalb

bin ich Piratin geworden.