Ich bin Piratin

Nicht meckern, machen!

von: Irmgard 17. Januar 2012

Unter diesem Motto fanden sich im März 2009 eine Handvoll junger Leute in Ilmenau zusammen, um der festgefahrenen Kommunalpolitik in Ilmenau eine neue Richtung zu geben.

Kurz entschlossen wurde die Mittagspause in der Mensa genutzt, um eine Initiative für Bildung und Wissenschaft in der Universitätsstadt zu gründen. Inspiriert durch das tageszeitlich bedingt nur noch eingeschränkte Mittagsangebot fand sich auch der Name für diese Initiatitive - und schließlich ist die Manifestierung der Bockwurst als Kulturgut ja auch irgendwie passend für Thüringen.

Dr. Daniel Schultheiß

Oberbürgermeisterkandidat für Ilmenau
Dr. Daniel Schultheiß

Mag der Name anfangs auch belächelt worden sein: aus dem Stand heraus gewann die Initiative Pro Bockwurst zur Kommunalwahl im Juni 2009 6,4% der Stimmen und stellt seitdem zwei Stadträte in  Ilmenau.

Wahlbündnis für Ilmenau

Für die Kommunalwahlen 2012 hat die Initiative Pro Bockwurst zusammen mit dem Bürgerbündnis Ilmenau und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Dr. Daniel Schultheiß als überparteilichen Kandidaten für den neuen Oberbürgermeister in Ilmenau gewählt.

Unterstützt wird das Wahlbündnis außerdem von der LINKE.Ilmenau und den Piraten Thüringen.

Bürgerbündnis Das Wahlbündnis für Ilmenau handelt im Sinne der Bürger über Fraktionsgrenzen hinweg.

Die Kommune arbeitet zukünftig mit ihren Einwohnern für ihre Einwohner!

Die Ziele des Wahlbündnisses und des OB-Kandidaten:

  • Sozialpolitik, Bildung und Kultur
  • Transparenz und Bürgerbeteiligung in Stadtverwaltung und Stadtrat
  • Infrastruktur, Wirtschaft und Universität
  • Eine moderne Stadtverwaltung

Wieviel ist uns Demokratie wert?

von: Irmgard 3. Januar 2012

Oder warum ich meine Meinung zu Parteispenden geändert habe

Seit Jahren beschäftigt sich die Piratenpartei mit dem Thema Spenden und vor allem Firmenspenden. Wieviel ist noch gut, ab wann begibt man sich in die Grauzone von Abhängigkeit?

Auf dem letzten Bundesparteitag gab es etliche Anträge, welche zum Ziel hatten, die Höhe von Spenden durch nichtnatürliche Personen zu begrenzen: Antragsbuch zum BPT 11.2 SÄA052 bis SÄA058.

Es gibt gute Gründe, die dagegen sprechen: Wir brauchen wirklich jeden Euro. Und es ist oft nicht möglich, Spenden explizit Privatpersonen oder Firmen zuzuordnen.
Beide Begründungen habe ich bisher immer mit unterstützt.

Aber - wie würde die Piratenpartei beispielsweise mit einer Spende der Firma Heckler & Koch umgehen? 5.000 EUR in einem Jahr klingt nicht viel, man könnte etliche schöne Plakate dafür drucken lassen .. aber dann klebte Blut daran.

Spenden von Privatpersonen könnten auch tückisch sein, wurde erzählt: Es mag wohl irgendwo passiert sein, daß Vorstandsposten nach Zahlung einer größeren Spendensumme besetzt wurden. (Nicht bei Piraten.) Kann ich mir auch echt nicht vorstellen, daß jemand auch noch Geld dafür bezahlen würde, sich den Streß anzutun ..  Und sowas bliebe der online-Gemeinde auch nicht verborgen. Der shitstorm wäre episch.

So, kurz geschmunzelt, jetzt wirds wieder ernsthaft.

Wir sind  - zu Recht! - stolz darauf, daß wir echte Basisdemokratie leben. JEDER Pirat hat das Recht, an der politischen Willensbildung auf einem Bundesparteitag mitzuwirken.

Ein Bundesparteitag kostet 45.000 EUR, Tendenz steigend.
Ja, da brauchen wir doch das Geld, aus den Spenden!

Ja, wir brauchen das Geld.
Wir bekommen eine Menge Geld aus der Parteienfinanzierung. Könnte mehr sein, wenn wir mehr Spenden einnähmen.

Könnte aber auch mehr sein - auch ohne das Obendrauf aus dem Staatssäckel - wenn wir mehr Mitglieder hätten und wenn jeder wenigstens seinen Beitrag zahlen würde. Thüringen hat eine Bezahlerquote von 82% und liegt damit noch im oberen Bereich. Das ist sehr traurig, muß ich sagen.

Mir scheint, wir sind da noch in so einer Versorgungsmentalität gefangen. Wir zahlen doch genug Steuern und es gibt doch die Gesetze, die für Parteienfinanzierung und für Firmenspenden sind, weshalb sollen wir die denn nicht nutzen? Machen andere doch auch.

Wenn wir es wirklich wollen, mit dieser echten Demokratie, mit allem was dazugehört - dann müssen WIR etwas dafür tun. Die Finanzierung unserer Parteiarbeit kann nur unabhängig vom Wohlwollen von Firmen und Staat sein. Wenn uns allen diese Parteitage mit tausenden Piraten so wichtig sind, dann müssen WIR die stemmen.

Ich mag es außerdem nicht so recht glauben, daß die anderen Parteien es wirklich so toll und nachahmenswert finden, wie wir das so handhaben. Ich könnte mir eher vorstellen, daß man insgeheim wünscht, daß dieses Experiment Piratenpartei irgendwie wieder verschwindet.

Es gibt viele engagierte Piraten. Ich weiß, wie sehr, wirklich sehr, sich hier viele nicht nur mit manpower sondern auch finanziell einbringen (bin schließlich Schatzmeister). Aber letztendlich sind es immer wieder dieselben. Ich wünschte mir, daß mehr Schultern mittragen.

Ich bin immer noch nicht dafür, Firmenspenden generell abzulehnen:

Sie lassen sich nicht eindeutig trennen von Spenden von Einzelpersonen.
Es gibt etliche Piraten und  Freibeuter, die man ohne Not brüskieren würde, wenn man ihr Geld nicht haben will.

Der LV Thüringen hat eine Obergrenze von 10.000 EUR pro Jahr und Spender beschlossen. Das ist eine gute Zahl, finde ich. Einen entsprechenden Antrag für die Bundespartei werde ich nächstes Mal mit befürworten. Es sollte aber eine  Kumulierung auf Bundesebene enthalten sein. Gesplittete Spenden an ein Dutzend Gliederungen zuzulassen, würde die Absicht konterkarieren.

Die neue Finanzordnung mit der Veröffentlichungungspflicht von Spenden ab 1.000 EUR finde ich auch einen wichtigen Schritt zu mehr Transparenz. Vielleicht ist es auch eine Option, jede Spende einer Firma durch einen Vorstandsbeschluß genehmigen zu lassen mit der Möglichkeit, diese eben auch gegebenenfalls zurückzuweisen.

Ab 2012 habe ich meinen Jahresbeitrag auf 50,00 erhöht.

Parteienfinanzierung erklärt

von: Irmgard 21. November 2011

Woher kriegt die Piratenpartei die Kohle?

Wir nehmen Mitgliedsbeiträge ein, 36 EUR pro Jahr.

Dieses Jahr sind viele neue Mitglieder dazugekommen, momentan sind es über 18.000. Leider ist die Bezahlerquote nicht berauschend: http://wiki.piratenpartei.de/Mitglieder

Also einfach 18.000 x 36 EUR rechnen geht leider nicht.

Dann gibt es nette Menschen, die der Piratenpartei Spenden zukommen lassen.

Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es Geld vom Staat, die sogenannte Parteienfinanzierung.

Die Partei muß bei der letzten Bundestagswahl oder Europawahl mindestens 0,5 % der gültigen Stimmen oder bei der jeweils letzten Landtagswahl 1,0 % der gültigen Stimmen erhalten haben - die Hürde Bundestagswahl haben wir 2009 geschafft.

Wir haben für 2009 ca. 31.500 EUR und für 2010 585.162 EUR bekommen - und dabei hätten es 2009 über 800.000 EUR mehr sein können; 2010 sind uns ca. 450.000 EUR verloren gegangen.

Wie kommt das?

Es gibt einen Zuschuß pro abgegebener Stimme für die Partei und einen Zuschuß auf die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden aus dem vergangenen Jahr.

Dabei ist die Höhe insgesamt gedeckelt durch die Höhe aller eigenen Einnahmen. Im Jahr 2008 hatte die Piratenpartei eben nur Einnahmen von 31.500 € - da gab es 2009 auch nicht mehr an Zuschuß, trotz der vielen Wählerstimmen.

Stimmkonto

Das “Stimmenkonto” ist die Summe der Stimmen bei den letzten Europa- und Bundestagswahlen sowie der jeweils letzten Wahl zum Landtag in den 16 Bundesländern, ändert sich also von Jahr zu Jahr.

Zuwendungen

Zuwendungsfähige Spenden
1. müssen zuzuordnen sein -anonyme Spenden zählen nicht!
2. werden nur bis zu einer Höhe von 3.300 € pro natürliche Person berücksichtigt.

Das heißt nicht, daß wir z.B. keine Tellerspenden annehmen dürfen - nur gibt es dafür keine Zuwendung.

Nicht berücksichtigt werden aber auch z.B. Überweisungen von Menschen, die keine Adresse oder Mitgliedsnummer angeben!

Parteiengesetz § 25 Spenden

Wähleranteil

Für die ersten 4 Millionen Stimmen gibt es jeweils 0,85 €, dann 0,70 €

Die Rechnung für 2010 sah so aus:
1.261.868 Stimmen (kleiner 4 Mio, also alles x 0,85€) = 1.072.587,80 €

Zuwendungsanteil

Für die zuwendungsfähigen Spenden gibt es 0,38 € Zuwendung pro 1 € Einnahme. 1.072.587,80 € x 0,38 € / 1 € = 177.743,14 €

Die Summe Zuwendungen wird gedeckelt

Die Gesamthöhe der Parteienfinanzierung ist gedeckelt durch einen gesetzlich festgelegten Betrag pro Jahr, hier 133 Millionen €.

Es wird also der Betrag pro Partei prozentual vermindert, um in Summe auf die 133 Mio € zu kommen.

Danach hätten der Piratenpartei 2010 also ~ 1,012 Mio € zugestanden.

Relative Obergrenze

Jetzt kommt eine zweite Deckelung ins Spiel: Die staatliche Zuwendung darf nicht höher sein, als die Summe der Gesamteinnahme der Partei.

Zu den Gesamteinnahmen zählt jetzt noch mehr: nicht zuzuordnende Spenden (*), Einnahmen aus wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb.

(*) Anonyme Spenden über 500 € dürfen nicht eingenommen werden sondern sind umgehend dem Bundestagspräsidenten weiterzuleiten.

Endbetrag vor Gesetzesantwurf

Hier steht der jeweils niedrigere Wert aus den Spalten 7 und 8. Die Piratenpartei hatte im Jahr 2009 nur Einnahmen von insgesamt 585.162,46 € - also gab es auch nicht mehr an Zuwendungen.

Die neue Gesamtsumme ist jetzt niedriger als die bewilligten 133 Mio €. Der Rest verblieb in der Staatskasse.

Veränderungen der Festsetzung der staatlichen Teilfinanzierung für das Jahr 2010 gemäß Gesetzentwurf Drucksache 17/6291

Die Tabelle sprengt hier etwas den Rahmen, deshalb gibts die extra: Parteienfinanzierung

Mit dem neuen Parteiengesetz wird folgende Änderung beschlossen:

Die Summe aus Wähleranteil und Zuwendunsganteil wird sofort gedeckelt durch die Relative Obergrenze aus den eigenen Einnahmen.

absolute Obergrenze

Danach wird der Betrag pro Partei prozentual vermindert, um die gesetzliche Maximalhöhe zu erreichen.

Damit wird der gesetzlich festlegte Betrag von 133 Mio € komplett ausgeschöpft, es bleibt kein Geld mehr übrig wie bei der alten Variante.

Differenz

Die Parteien mit einem relativ hohen Stimmanteil im Vergleich zu den Einnahmen aus Spenden und Beiträgen erhalten wesentlich weniger Zuwendungen. Den Differenzbetrag von knapp 100.000 EUR müssen wir wieder zurückzahlen.

Links

Staatstrojaner und niemand regt sich auf

von: Irmgard 28. Oktober 2011

Oder warum die Chance der Piratenpartei nicht der Feldzug gegen die Schnüffelsoftware ist

Seit ein paar Wochen ist es amtlich: Unser Staat schnüffelt seinen Bürgern hinterher. Eine Welle der Empörung zieht sich durch die Pressewelt und den Piraten wird allenorts vorgeworfen, wir würden “den Elfmeter in der eigenen Hälfte vergeigen”. Oder so.

Was ist passiert?

Vor 4 Jahren wurde angekündigt, daß es eine irgendwie geartete Online-Überwachung von Computern geben solle, weil die Terroristen ja bösartigerweise verschlüsselte Mails senden würden, die man nicht lesen könne und man damit den terroristischen Anschlägen nicht rechtzeitig vorbeugen könnte.

Wir haben gelacht und gerätselt, wie man die Terroristen wohl dazu bringen könnte, nur Windows-Rechner zu verwenden und ob man den Bundestrojaner wohl über die ELSTER-Software verteilen würde, weil sie ja sicher auch brav ihre Steuererklärung abgeben oder ob ein HOCHWICHTIGES Mail vom BKA versendet würde und daß Blackberries offensichtlich noch unbekannte Gebilde sind.

Vielleicht würde man den Trojaner auch als Windows-Update tarnen und vielleicht würde man auch die Antiviren-Hersteller dazu verdonnern, nix dagegen zu tun.

Über diese Möglichkeiten von Screenshots, Einklinken in webcam, Hochladen von Dateien haben wir auch geredet und wie man das anstellen wolle, daß das keiner merkt, daß sein “Internet plötzlich so langsam ist”.

Die Kollegen meinten, die meisten DAUs bekommen ja auch so nicht mit, wenn ein Virus auf dem PC ist und massenhaft SPAM-Mails versendet,  warum denn hier.
Wie man mit so einer Schrotflinten-Methode etwas Relevantes herausfinden wolle, war zwar auch unklar, aber who cares. Man nimmt halt, was man kriegen kann. War ja früher hier nicht anders.

Nun ja, so ähnlich ist es jetzt gekommen: Es gibt einen “Staatstrojaner”, der nur auf Windos 32bit läuft. die 64bit Variante ist in Arbeit. Smartphones sind noch unbekannte Gebilde.

Das Ding wurde föllig unauffällig als System-DLL ins Windows-Verzeichnis gespielt.

Es kann Screenshots anfertigen, Webcams steuern, Dateien auf den PC kopieren und hat eine Update-Funktion.

Die Virenhersteller erkennen das Ding noch nicht aufgrund mangelnder Verbreitung; die Pattern sind wohl noch zu unspezifisch. Diese böse DLL, deren Namen ja nun herumging, wird jetzt aber selbstverständlich als Virus gebrandmarkt. So hab ichs zumindest verstanden.

(Was ich nicht verstanden habe: Offenbar läßt sich dieses hochwertige Stück Software bislang nur persönlich auf dem auszuspionierenden Rechner unterbringen. Nix mit ELSTER-Update oder so. WENN IRGENDEIN TYP MIT MEINEM NOTEBOOK HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN IRGENDWAS MACHT, dann wäre das erste, was ich täte, das Teil von vorn bis hinten durchzuchecken, was da passiert ist und mir dazu noch Hilfe zu holen. Da fehlt mir irgendwie ein Teil in der Berichterstattung.
Naja, vermutlich wird jetzt aber jedes Gerät, was vom Zoll am Flughafen “mal eben besonders kontrolliert werden muß” gleich zum CCC eingeschickt werden.)

So aber nun haben wir den Bundestrojaner - und es regt sich keiner auf.

Kollegen, Verwandte, Freunde sagen: “Ja was hast du denn erwartet? Was möglich ist, wird gemacht, war doch früher nicht anders.”

“Früher” - das war hier die allgegenwärtige Stasi. Jeder hat gewußt, daß Telefonanrufe mitgehört, Pakete geöffnet, Briefe gelesen, Gespräche belauscht werden.  Man konnte es nicht ändern und hat sich halt entsprechend vorsichtig verhalten.

Jetzt - wird ebenfalls abgehört, gescannt, was weiß ich noch. Der Unterschied, den ich keinesfalls kleinreden möchte: man kann ungestraft darüber reden, Zeitungen sind voll davon, Strafanzeigen werden gestellt. Es ist eben doch nicht “ganz so wie früher”.

Was aber geblieben ist - und das stimmt mich viel besorgter, als die ganze Aufregung um diesen #bundestrojaner: Die Menschen haben genau so eine schlechte Meinung von der Regierung wie “früher”. Mindestens genauso schlecht.

Auf meinem Schreibtisch stehen zwei Fotos. Meine Tante schaut mir nachdenklich und etwas resigniert zu. Sie ist 2003 gestorben und hat immer wieder gesagt: “Die neue Regierung ist viel schlimmer als die alte, glaub denen janichts.”

Die regierenden Politiker haben so vollkommen dermaßen jegliche Maßstäbe für Redlichkeit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit verspielt, daß viele jetzt einfach genauso handeln - also nehmen was man kriegen kann, ob auf ehrliche Weise oder nicht, egal. Und weitere viele Menschen sind einfach resigniert und sagen: “ihr ändert ja doch nichts, wartet nur, in ein paar Jahren seid ihr genauso wie alle anderen”.

Dann frag ich mich doch manchmal,  ob der Berg Unrat, der vor uns liegt, auch überhaupt etwas angekratzt werden kann.

Dann gibt es aber auch die Menschen, von denen ich viele bei den letzten Stammtischen getroffen habe: Leute, die gesagt haben”Endlich! Endlich gibt es wieder ein paar ehrliche Menschen, die hier tatsächlich etwas ändern wollen” “Ihr schafft das, laßt euch bloß nicht kleinreden” “Wir brauchen kein Gerede, das machen die anderen schon genug, wir brauchen Ehrlichkeit” “Antworten haben die anderen auch nicht, die reden bloß und machen nichts”

Auf dem anderen Foto ist mein Vater und schaut so, wie er immer war: optimistisch, heiter, zuversichtlich. “Du machst das schon” würde er wahrscheinlich sagen.

Nun denn. Vielleicht schaffen wir es ja wirklich, mit 17.000 Menschen hier etwas zu bewegen und zu verbessern. Das ist unsere eigentliche und wohl auch einzige Chance.

Mehr zum Bundestrojaner:

Mach Dich nackig

von: Irmgard 2. Juni 2011

Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen sowie das aller Mitglieder Ihres Haushaltes?

Wenn Dich das ein wildfremder Mensch fragen würde und Du außerdem wüßtest, daß er das in irgendeine Datenbank tippt, wo Du nicht weißt, wer das alles liest - was würdest Du tun?

Ihn abtreten lassen? Tja, Fehlanzeige. Damit machtest Du Dich strafbar.

Den meisten vermutlich unbekannt, hat unsere demokratische Regierung in ihrer untergründlichen Weisheit beschlossen, daß sie aber nun wirklich alles über ihre Untertanen wissen will.

Nicht nur, wieviel Klos und Badewannen und Kinder und Lebensgefährten man in seiner Wohnung hat - nein, was und wieviel und warum man arbeitet oder auch nicht - wieviel man verdient (wie oben schon erwähnt) und woher das Geld kommt, ob man gerne arbeiten würde oder wenn nein, warum nicht, ob man Deutscher ist und wie lange man schon hier wohnt, wo die Eltern, Kinder und Ehepartner leben - und all das wohlgemerkt, nicht nur für einen persönlich, sondern für alle Angehörigen des Haushaltes, ob sie wollen oder nicht.

Wer jetzt denkt, ich müsse doch wohl fantasieren, das wäre doch nicht möglich in einem Land, wo jeder Betrieb gesetzlich verpflichtet ist, einen Datenschutzbeauftragten zu beschäftigen, der über die personengebundenen Daten der Mitarbeiter wacht - der möge sich mal mit den so harmlos klingenden Wort

Mikrozensus

beschäftigen.

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50 Prozent

von: Irmgard 17. Mai 2011

Also immerhin haben wir in den Umfragewerten schon fast 50% von denen der Partei erreicht, welche in unserem Land den Wirtschaftsminister, den Gesundheitsminister, den Justizminister und den Außenminister und Vizekanzler stellt.

Cool.

Weils so schön ist: Volker Pispers über den BPT der Piraten

Neue Kapitäne

von: Irmgard 17. Mai 2011

Piratenlogo Am Wochenende 14./15. Mai war Bundesparteitag der Piraten. Ich denk, ich hab doch etwas verpaßt, weil ich nicht dabei war.

Wir haben einen (fast) ganz neuen Bundesvorstand und ich hab mal den Taschenrechner genommen: Durchschnittsalter 30 Jahre. Also eigentlich müßten uns mindestens alle unter 40 wählen.

Von den 7 Leuten kenne ich 3 und ich halte große Stücke auf sie.

Wir haben ein Arbeitstier als Stellvertretenden Vorsitzenden, einen Schatzmeister, der nicht nur Ahnung hat von seinem Job, sondern auch gute Pläne für unsere Partei und einen emsigen Gensek, der hoffentlich weiß, was mit der ganzen Mitgliederverwaltung auf ihn zukommt (byebye Wilm)

Wie moderat unser neuer Vorsitzender die Partei steuert, wird sich zeigen, ich bin neugierig und optimistisch.

Unsere Politische Geschäftsführerin kenne ich leider noch nicht, aber ich könnte mir vorstellen, daß uns die anderen um diese kluge wortgewandte Frau bald beneiden werden.

Dann gibt es einen Beisitzer und noch eine Beisitzerin, um die Fronarbeit auf etwas mehr Schultern zu verteilen.

Die Kurzfassung vom BPT gibts bei Gulli. Die PM gibts bei Piratens. Die Langfasssung gibt es auch. Das komplette Protokoll mit wörtlicher Rede habe ich am Sonntag Abend 3 Stunden nach Ende des Parteitages gelesen. 2 Tage á 10 Stunden komplett protokolliert. Der Erfurter Stadtrat bekommts noch nicht mal hin, die 3 Stunden Stadtratsitzung so mitzuschreiben, daß man die als interessierter Bürger mal nachlesen kann.

Piratin im Stadtrat

von: Irmgard 28. Juni 2010

Ein Bericht von der Zuschauer-Empore 23.6./24.6.2010

Seit 23 Jahren wohne ich nun in Erfurt - langsam mal Zeit, sich auch mal die Leute anzuschauen, die Politik für diese Stadt machen.

Erste Erkenntnis: man soll sich eine Platzkarte vorher besorgen. Zweite Erkenntnis: so voll ist es längst nicht, zumindest wohl nicht bei strahlendem Sommerwetter. Die meisten Besucherinnen sind Tagesmütter, die sich für die zu treffende Entscheidung bezüglich der Vergütung von Tagesmüttern interessieren. Nein, ich bin keine Tagesmutter; ich erkläre, von der Piratenpartei zu sein und daß ich halt hingehe, weil mich die Arbeit des Stadtrates interessiert.

Eines vorweg: Ich hatte gehofft, hinterher ein Protokoll der Stadtratsitzung im Internet veröffentlicht zu finden und habe deshalb nicht alles mitgeschrieben. Das ist aber nicht vorgesehen, man kann die Protokolle wohl nur in den Bürgerbüros einsehen oder ich muß bis zum nächsten Erscheinen des Erfurter Amtsblattes  warten. Deshalb sind nicht alle Punkte vollständig - und man konnte auch nicht alle Menschen gut verstehen auf der Empore.

Die einzelnen Fraktionen handhaben es auch sehr unterschiedlich mit der Veröffentlichung; was ich dazu gefunden habe, ist verlinkt.

Die Tagesordnung ist vollgepackt und an einem Abend nicht zu schaffen. Die Tagesmütter stehen ganz weit hinten auf dem Plan und kommen heute nicht mehr dran.

Der OB eröffnet die Sitzung und hält sichtlich bewegt eine Abschiedsrede zum Tod von Benno Lemke, dem Geschäftsführer der Stadtratsfraktion der Linken. Auf dessem verwaisten Platz liegt ein großer Blumenstrauß.

Danach werden jede Menge Geburtstagsglückwünsche verlesen, man klatscht pflichtschuldig.

Es folgen eine Reihe von

Dringlichkeitsanträgen

von der FDP-Fraktion. Ein Teil wird als dringlich bestätigt, die Umbenennung des Erfurter Flughafens z.B. nicht.

Zur

Einwohnerfragestunde

werden kurz und bündig Anfragen von Erfurter Bürgen beantwortet. Die Ratsvorsitzende zieht ein straffes Tempo durch, viel Zeit ist dafür nicht.

Nach der

Bestätigung der Protokolle der letzten Ratssitzungen

folgen weitere

Anfragen

unter anderem fragt die FDP:

Hmm, als irgendwie dringlich hätte ich jetzt keins von diesen Themen gesehen, auf dem Anger stehen schließlich  Bäume und ich finde, man sollte die einfach wachsen lassen und ab und zu mal gießen und düngen und Parken kann man auch in einem von den Parkhäusern und muß dann hat ein paar Minuten laufen.

Die SPD fragt nach

  • dem Stand der Baustelle Magdeburger Allee 147 und muß sich sagen lassen, daß Baugenehmigungen nicht öffentlich sind - also weiß niemand, was damit wird.
  • weiter geht es um eine Ausgrabungstelle, deren Zustand miserabel ist und einen schlechten Eindruck auf Touristen hinterläßt.

Die CDU hat Anfragen unter anderm zu

  • Drogenmißbrauch
  • dem Lutherkonzept
  • und dem neuen Semesterzuschuß - falls das Auswirkungen auf den Haushalt haben sollte, soll es eine rechtzeitige Info an den Stadtrat geben.

Die Linke hat Fragen

  • zur Rasenheizung im Erfurter Stadion
  • zum Konzept Erfurter Flughafen

Bündnis 90 / Die Grünen fragen

Und die Freien Wähler fragen nach zu

  • Gewalt an den Schulen
  • Rauchverbote
  • 50 Jahre EGA

Die Anfragen werden nicht im Wortlaut verlesen, nur das Thema. Ohne die entsprechenden Texte dazu kann ich mir nur zu manchen Themen vorstellen, worum es da genau geht. Mal sehn, ob ich vor der nächsten Ratsversammlung ein paar mehr Informationen dazu bekomme.

Auf der Website von B90/Grüne kann man jedenfalls alle Anträge und Anfragen nachlesen. Bei allen anderen Fraktionen - Fehlanzeige.

Nahezu jede Fraktion bedankt sich erst einmal ausführlichst bei der Verwaltung für die Antworten. Ein Teil der Anfragen wurde offenbar zufriedenstellend beantwortet; der Rest wird in die verschiedenen Ausschüsse verwiesen.


Große Aussprache zu den Angelegenheiten der Ortsteile.

Ortsteilbürgermeister reden über Erfahrungen und Probleme; hier ein Querschnitt:

  • „Synergieeffekte” durch die Übergabe der Grünpflege ans Garten- und Friedhofsamt sind nicht erkennbar, wenn jetzt an einem Stück Grünstreifen vier Firmen beteiligt sind.
  • Die Anbindung an den ÖPNV ist schlechter geworden
  • Für Verbände oder z.B. die Freiwillige Feuerwehr ist kein Geld mehr vorhanden
  • Es gibt willkürlich geschaffene Ortsteile
  • massiver Abbau bei der Jugendarbeit
  • Die Ortsteilbürgermeister haben nur einen unzureichenden Entscheidungsspielraum (Einwurf: Solange kein Geld da ist, ist es auch egal, was nicht entschieden werden kann)
  • Bürger müssen besser einbezogen und beteiligt werden
  • Die Ortsteilbürgermeister müssen mehr Mitspracherecht bekommen - sonst machts bald keiner mehr in den kleinen Gemeinden
  • Ausbau der Radwege fehlt
  • Der Stadtrat soll sich an die Empfehlungen der Ortsteilräte halten, sonst ist deren Arbeit sinnlos
  • Ein Bericht zur Entwicklung der Erfurter Ortschaften soll alle 5 Jahre veröffentlicht werden, u.a. auch im Amtsblatt, um die Bürger besser einzubeziehen
  • Die Anbindung an den ÖPNV sei nicht schlechter geworden, koste aber eben auch Geld, dazu gab es den schönen Satz: Man müsse einen Spannungsbogen zwischen der effizienten Nahverkehrsanbindung und den Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger schaffen. Ah ja.
  • Im Amtsblatt sind noch nicht einmal Adressen und Sprechzeiten der Ortsteilbürgermeister veröffentlicht

Arbeit für die Stadt wird aber auch von engagierten Bürgern geleistet. Eine Vertreterin der Bürgerinitiative Ilversgehoven hält eine lange Rede über die Arbeit der Ehrenamtlichen, berichtet von den Aktionen in und um Ilversgehoven, von deren Arbeit und Erfolgen.

Inzwischen ist es 19:00 und es geht weiter mit den

Entscheidungsvorlagen.

Die Texte der Drucksachen, über die abgestimmt weder soll, sind leider nicht auf der Seite des Erfurter Stadtrates zu finden. Vermutlich muß man sich dazu auch in eines der Bürgerbüros begeben. Schade, das bin ich von den Piraten anders gewohnt.

Die vorzeitige Ausführung des Kanalbaus sowie Ausbau der Straßen in Ermstedt wird abgelehnt.

Der allgemein desolate Zustand der Straßen ist bekannt, aber es sind leider mal eben keine 80.000 EUR im Stadthaushalt dafür übrig. 2011 sollen diese aber eingestellt werden.

Dem Einwohnerantrag „Keine Personalkürzungen im Jugendhaus Wiesenhügel” fehlen leider die notwendigen Unterschriften, um ihn zuzulassen. 300 müßten es sein, 200 sind es, damit wird er abgelehnt. Der OB sagt, er wollte es zumindest versucht haben.

Im März ist beschlossen worden, daß an Asylbewerber Lebensmittelgutscheine ausgegeben werden sollen. Die SPD hat beantragt, diesen Beschluß wieder aufzuheben. Die Freien Wähler finden es zwar gut, daß die Menschen damit grundsätzlich mehr Flexibilität hätten, sorgen sich um die Kosten, die dabei irgendwie möglicherweise zusätzlich entstehen könnten.

Auch wenn das Landesverwaltungsgericht diesen Beschluß wohl sowieso aufheben wird, stimmen 27 Stadträte dagegen, die Ausgabe von den Gutscheinen jetzt aufzuheben, nur 17 sind dafür. Da hilft auch nicht die Ermutigung der Ratsvorsitzenden : „Wer für den OB ist, der soll jetzt mit JA stimmen.”
Man ist überwiegend weder für den OB noch für die Asylbewerber.

Es ist 19:45 - für heute ist Schluß. Deutschland spielt heute bei der WM.


Am 24. komme ich erst später, so zeitig konnte ich diesmal nicht Feierabend machen.

Der erste Tagesordnungspunkt für heute: Die Diskussion um den Sportstätten-Leitplan der Stadt Erfurt ist noch im Gange. Es geht gerade um den Neubau der 3. Schwimmhalle in Erfurt. Die Aufnahme in den Sportstättenleitplan wird abgelehnt. Vor allem die SPD betont, daß das nicht die Ablehnung der 3. Schwimmhalle an sich ist, sondern daß die Schwimmhalle ins Bäderkonzept gehört. Darüber wird aber heute nicht beschlossen.

Über die nächsten Entscheidungen wird zügig hintereinander abgestimmt, bis zum Beschluß über

die Ausweich-Trasse der Stadtbahn für den Bereich Bahnhofstraße und Bahnhofstunnel

Es soll erst einmal ein Gutachten darüber angefertigt werden, ob so eine alternative Streckenführung überhaupt möglich ist. Hintergrund der Geschichte ist, daß bei jedem Fußballspiel der gesamte Bahnhofsbereich gesperrt wird und die Leute zusehen können, wie sie in den bzw. vom Erfurter Süden kommen.

Die Freien Wähler sind skeptisch, denn allein so ein Gutachten kostet schon Geld und sie wüßten gern, über wieviel Geld denn jetzt überhaupt geredet wird. Das weiß leider keiner.

Die Linken finden es unsozial, daß jetzt Steuergelder aufgewendet werden sollen, um einen Bogen um die Randalierer zu machen.

Die CDU gibt zu bedenken, daß eine alternative Straßenbahntrasse sowohl den Flutgraben überqueren als auch unter der Bahn durch muß und daß es weder eine zweite Flutgrabenbrücke noch eine zweite Eisenbahnunterführung gibt. Aber man solle sich erst einmal die Planer anhören, vielleicht hätten diese ja noch eine  geniale Idee, auf die bisher noch kein anderer gekommen ist.

Es gibt noch eine Ergänzung: Die Fußgängerbrücke über den Flutgraben wird bald geöffnet, dann könnte sich auch das Polizeikonzept ändern, so daß bei Fußballspielen nicht immer der ganze Bahnhofsplatz gesperrt werden muß. Eine entsprechende Anfrage beim Innenministerium liege schon vor und wird möglicherweise in diese Richtung beantwortet.

Die Gegner des Gutachtens sind aber trotzdem in der Minderheit.

Wäre schon interessant, was dann das Gutachten kostet. Gebaut werden wirds vermutlich sowieso nicht, es sei denn, hier bricht der Reichtum aus.

Das nächste große Thema ist Leitbild für die Entwicklung des Bahnhofsareals des Erfurter Hauptbahnhofes

Es geht um die langfristige Konzeption für das Thomasviertel. “Das Beste ist für Erfurt gerade gut genug”.

Alle sind stolz auf das Leitbild und betonen, daß wirklich von jeder Fraktion ein Anteil dabei ist.

Die FDP will sich bei der Abstimmung aber trotzdem enthalten, denn ihr fehlt die Einbeziehung des Handels.

Die Freien Wähler geben zu bedenken, daß der Investor Krieger-Gruppe auch vorhat, die Einkaufsfläche des Thüringenparks zu verdoppeln und ob dann noch genügend Reserven - und Motivation - für das Bahnhofsviertel übrig bleiben. (Interview der TA mit Chef-Stadtentwickler Paul Börsch)

Die CDU erwidert, daß es schließlich Vereinbarungen gebe, und daß weitere Investitionen  der Krieger-Gruppe damit nichts zu tun haben.

Hoffen wir mal, daß es so ist.

Nach ein paar schnellen Abstimmungen geht es um Mietwohnungsneubau in Erfurt.

Von der CDU kommt ein Beitrag: Der Standort Erfurter Kreuz wächst und wächst. Die LEG kommt kaum hinterher mit den Erschließungsanträgen. Wir haben die Chance, daß die Einwohnerzahl von Erfurt wieder ansteigt. Dort arbeiten schließlich nicht nur Geschäftsführer sondern vor allen jede Menge Arbeitnehmer, dafür fehlen aber gute und bezahlbare Wohnungen. Die Stadt Erfurt sollte sich im Wohnungsbau engagieren.

Das sind doch mal erfreuliche Neuigkeiten und dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Weiter geht es Schlag auf Schlag mit den Abstimmungen. Bei der Wahl der ehrenamtlichen Richter für das Verwaltungsgericht Weimar hat ein Stadtrat offenbar Besseres zu tun, als die Hand zu heben sondern tippt auf seinem Notebook herum.

Endlich kommen wir zur besseren Bezahlung für Tagesmütter.

Der Zuschuß des Landes ist gestiegen, die Elternbeiträge sollten aber sinken, das wird jetzt nocheinmal im Ausschuß behandelt.

Zum Schluß einigen sich alle noch auf ein gemeinsames Radeln von Stadtrat, Stadtverwaltung und den Erfurter Bürgern.