„Ein offenes Netz bedeutet viele Verlockungen”

von: Irmgard 26. Mai 2013

„Es ist notwendig, dafür die Weichen zu stellen.”

Diese Sätze lese ich gerade im Interview mit Gesche Joost, der Frau für Netzpolitik im Kompetenzteam von Peer Steinbrück.

Das klingt für mich sehr nach „Jugendschutzmedienstaatsvertrag” „Zugangserschwerungsgesetz” „Leistungsschutzrecht” und wie die ganzen Schweinereien alle noch heißen.

Aber die Piraten betrachten „das Thema Netz isoliert” und den „Brückenschlag” zu „Bildung, Menschen mit Behinderung, Zukunft der Arbeit, Kreativwirtschaft” stellt die SPD mit ihrer Netzpolitik her?

Es ist offenbar nicht leicht zu verstehen - aber wir leben einfach selbstverständlich mit dem Netz. Ich philosophiere auch nicht ständig über das Straßennetz, wenn ich nach Frankfurt oder Dresden fahre sondern rege mich höchstens über Baustellen auf. Paketdienste sind selbstverständlich, es nervt nur, wenn es mal länger dauert. Wenn ich ein altes Buch aus dem Regal hole und darin stöbere, ist das keine Meldung wert. Um miteinander zu reden, auch wenn man am anderen Ende von Deutschland (oder der Welt) sitzt, braucht man kein Telefon, um Texte miteinander zu schreiben, reicht - ja genau - ein Internetzugang. Im Übrigen ist die „Internetgeneration” schon 23 Jahre alt. Es ist traurig, daß das immer noch so als bemerkenswert und neu - und als gefährlich! angesehen wird.

Das Frauenbild von Frau Joost gefällt mir auch nicht.

Also bei vielen technischen Entwicklungen wären die Teams hauptsächlich mit Männern besetzt. Ok, stimme ich zu. Ich denk mir sowieso, daß die Spülmaschine von einem Mann erfunden wurde, der mal am Wochenende den Abwasch einer 6-köpfigen Familie bewältigen mußte.

Frau Joost sagt, Frauen würden andere Themen in die technische Entwicklung einbringen. Stimme ich auch zu.

Das ist jetzt die Stelle, wo ich mich frage: Bin ich nur in einer bubble oder sind es solche Leute wie Frau Joost:

„Jüngere Frauen spüren einen starken Druck, ständig auf Facebook präsent zu sein. Ältere glauben, wegen der Kinder ihr Handy nie ausschalten zu können.”

Ähh.  Diese Meinung über Frauen ist .. bemerkenswert beleidigend. Das sollen die „anderen Themen” sein, die Frauen einbringen?

Es war auch nicht wirklich eine Antwort auf die Frage. Die kommt hier:

„..sie haben eine App vorgeschlagen, die Störgeräusche simuliert. Dann können Sie dem Anrufer sagen, den sie nicht einfach so abwimmeln können: ich kann Sie gerade nicht verstehen..”

Liebe Frau Joost. Einem Versicherungsverkäufer kann ich z.B. auch freundlich sagen „Es ist zwar alles ganz schön, was Sie da erzählen, aber ich brauche es nicht”. Oder ich flöte ins Telefon „Meine Mama ist im Urlaub und kommt in 3 Wochen wieder”. Klappt auch.

Aber die neuen technischen Themen von den Frauen beziehen sich ja vorgeblich auf Höflichkeit in der modernen Kommunikation.
Wenn jemand anruft und ich gerade keine Zeit habe, sag ich das einfach bzw. ich bitte darum, es kurz zu halten und melde mich später, wenn es besser paßt.  Hab noch niemanden getroffen, der sich darüber beschwert hätte.

Und wenn ich ein Störgeräusch bräuchte, würde ich z.b. den Mixer daneben halten. Oder das Handy anpusten. Da brauch ich keine App. Aber auf die Idee bin ich noch nie gekommen. Das ist ja nun gerade ausgesprochen unhöflich und irgendwie auch peinlich.

Gefährliches Team?

von: Irmgard 1. März 2013

Es scheinen hier irgendwie krass skurrile Meinungen über die Arbeit im Landesvorstand zu kursieren.

Ich mache das nun schon 3 Jahre und ich gehe jetzt einfach mal davon aus, daß man mir im folgenden nicht unterstellt, ich würde hier lügen.

Es ist Arbeit. Viel. Ich zumindest krieg sie selten ganz aus dem Kopf heraus. Dazu muß ich dann schon wegfahren.
Der Zustand, daß mal wirklich NICHTS unerledigtes liegenbleibt, ist selten.

Bei mir gibt es diesen Zustand momentan nie, aber das kommt durch die Arbeit im Bund dazu. Die hab ich mir selber gesucht. Es hatte viel damit zu tun, daß wir um ein Haar keinen gescheiten Bundesschatzmeister mehr gehabt hätten. Das wäre ein Fiasko geworden und ich wollte tun, was ich kann, um das zu verhindern.
Aber das ist ein anderes Thema.

Es ist Arbeit, für die es maximal ein Dankeschön von jemandem gibt, bei vielen gibt es eher Kritik. Als Schatzmeister bleibt man davon wohl noch eher verschont, vor allem, wenn es keine weiteren Kandidaten gibt. Aber es gibt unterschwellige Sticheleien.
Es kostet Freizeit und Geld.

In den kommenden 1 1/2 Jahren wird es krass viel Arbeit werden.

Der Job des zukünftigen Lavo ist es, den Wahlkampf für unsere Listenkandidaten und Direktkandidaten zu organisieren und in jeder Weise zu unterstützen. Das ist jede Menge Orga, herumreisen, mit Leuten reden, Veranstaltungen, Infostände organisieren, Materialbestellungen machen, dafür sorgen, daß die Dinge dahin kommen, wo sie gebraucht werden, Spenden sammeln und vor allem und mit am wichtigsten: die ganzen Leute wieder heranholen und einbinden.
Wir haben mit dem Stimmungsschwund der Bevölkerung zu kämpfen, wir müssen mit wenig Leuten und 30k EUR einen Flächenwahlkampf bestreiten.
Die Presse in TH ist dank der guten Arbeit hier noch halbwegs ok.

Und dann wird es als gefährlich und mögliche Cliquenbildung angesehen, wenn sich das Leute antun wollen, die wenigstens wissen, daß sie miteinander arbeiten können?
Echt?

So stark, das alles als Einzelkämpfer zu ertragen, sind wenige. Ich bin das nicht. Mir hilft es viel, wenn ich Leute dabei habe, auf die ich mich blind verlassen kann. Leute, mit denen man auch mal Ideen ins unreine sprechen kann, Ideen, die vielleicht blödsinnig sind, wo keiner Scheu hat, das auch zu sagen, Leute, mit denen man gemeinsam lachen kann.

Ich brauche auch jemanden, der mal über meine Arbeit schaut, der weiß, was ich tue und mir auch dabei helfen kann, mich auf Fehler aufmerksam machen kann.

Ein Beispiel:
Vor 2 Wochen hat ein Freund auf unsere veröffentlichten Zahlen in der Vosi geschaut und mir nur einen Satz geschrieben: Es ist zuviel Geld auf dem Konto. Ich wußte, was ich verbuddelt hatte und habe mit einem einzigen Wort geantwortet. Damit war das erledigt.
Für mich ist das maximal effizientes Arbeiten. Für andere sind das “Connections”.

Jeder macht einmal Fehler. Mir ist es hundert mal lieber, wenn ich es gleich gesagt bekomme, die Chance habe, das zu reparieren und alle dann weiterarbeiten. Aber es werden hier jahrelang persönliche Differenzen am Köcheln gehalten, Dinge, an die sich außer den Beteiligten kaum noch jemand erinnert.
Das ist so absurd. Wir haben soviel Arbeit vor uns. Wir wollen Wahlen gewinnen!

Ich habe seit einem Jahr kein Backup mehr. Das war zeitweise schon kritisch. Aber man wird fast gesteinigt, wenn man offiziell sagen würde, wen man gern mit im Team hätte.

Da wird von “piratentypischem Misstrauen” gegenüber einem Team geschrieben und das es schlecht wäre, “wenn Leute sich ZU gut verstehen”.

Ich frag mich, was für Erfahrungen dahinter stehen. In meinen fast 4 Jahren Piratenleben hatte ich jedenfalls noch keinen Grund, “piratentypisches Misstrauen” zu entwickeln gegenüber den Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sei es im Vorstand oder anderweitig. Es macht mich fassungslos und traurig, daß Leuten, die echt schuften, von vornherein solch eine Ablehnung entgegengebracht wird. Wie kann man nur davon ausgehen, daß man besser zusammen arbeitet, wenn man sich NICHT gut versteht?

Ja, sicher, arbeiten kann man immer. Aber es ist so ein gewaltiger Unterschied, ob man einfach nur seinen Job macht oder sich gegenseitig anspornt, ermutigt, hilft, aufeinander aufpaßt, .. all sowas.

Wir regen uns über den Buvo auf, daß er nicht im Team zusammenarbeiten könne, viele wollen deswegen Neuwahlen. Aber ein Team in Thüringen wäre “kontraproduktiv” und man “braucht keinen Vorstand, der sich einig ist”?

Die Piraten und das Geld

von: Irmgard 5. Dezember 2012

Für politische Parteien gibt es unter bestimmten Voraussetzungen jährlich Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung.

Dabei wird ein Teil direkt an die Landesverbände ausgezahlt, die Ansprüche aufgrund ihrer Wahlergebnisse aus Landtagswahlen hatten. Der Rest geht dann an den Bundesverband, der dieses Geld dann weiter verteilen kann.

Über diesen Verteilungsschlüssel haben sich die Landesschatzmeister auf der Verwaltungskonferenz 2010 geeinigt; der Bundesvorstand hat aufgrund dieser Empfehlung einen Beschluß über die Verteilung der staatlichen Mittel getroffen. Kurz gefaßt: Es gibt einen Sockelbetrag von 36.000 EUR für den Bund und jeweils 3.600 EUR für jeden LV. Das verbleibende Geld wird jeweils zur Hälfte prozentual nach Fläche und prozentual nach Einwohnerzahl aufgeteilt. Damit sind sowohl Flächenländer als auch Stadtstaaten mit kleiner Fläche aber vielen Einwohnern berücksichtigt.

Bei der Berechnung der Parteienfinanzierung gibt es eine Deckelung. Eine Partei bekommt nicht mehr ausgezahlt, als sie selber an Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und wirtschaftlicher Tätigkeit aufgebracht hat. Da wir sehr wenig Eigenmittel haben, bekommen wir längst nicht das ausgezahlt, was wir nach unserem Stimmenanteil bekommen müßten. Wie wir zu mehr Einnahmen kommen, ist eine andere Diskussion - aktuell können wir nur das Geld verteilen, was wir haben.

Nun bekommen wir aber ein Problem:

Der Anteil, der an die Landesverbände direkt ausgezahlt wird, wächst von Jahr zu Jahr, weil jedes Jahr neue Ansprüche aus den Erfolgen bei Landtagswahlen hinzukommen. Das ist zwar sehr schön - aber die Gesamtsumme, die verteilt werden kann, wird dabei nicht wesentlich größer. Ab 2014 wird mehr Geld an die LVs ausgezahlt werden müssen, als die Gesamtpartei überhaupt an Zuwendungen erhält:

Die Deckelung aufgrund der eigenen Einnahmen gilt zwar für die Bundespartei insgesamt, aber nicht für die einzelnen Landesverbände.

2011 2012 2013 2013 mit SÄA042 2014 mit “weiter so”
Einnahmen 585.162 611.511 667.215 667.215 667.215
nach neuem PartG 585.162 578.219 632.215 632.215 632.215
davon direkt an LVs 92.267 246.981 548.716 274.358 650.000
Verbleiben 492.895 331.237 83.498 357.857 -17.785

Anmerkung: Die Zahlen in kursiv sind Schätzungen.
Die endgültige Höhe der Einnahmen für 2011 steht noch nicht fest, aber die letzten Rechenschaftsberichte werden gerade fertiggestellt.
Durch die Änderung des Parteienfinanzierungsgesetzes wird für uns dieser Betrag noch einmal vermindert. Um wieviel genau, erfahren wir erst aus der Mitteilung des Deutschen Bundestages, die am 15.2.2013 veröffentlicht wird.

Eine Lösung für dieses Dilemma: Satzungsänderungsantrag 042 zum BPT 12.2

Dieser Satzungsänderungsantrag sah folgendes vor:
Jeder Landesverband, der direkt Geld aus den Stimmanteilen bei Landtagswahlen erhält, zahlt die Hälfte davon in den „Bundestopf”, der nach dem bekannten Schlüssel verteilt wird.

Das würde dann so aussehen:

Parteienfinanzierung 2011 - 2013

Gliederung 2011 2012 2013 2013 mit SÄA042 Eigene Einnahmen 2011
Bund 36.000 36.000 32.115 36.000 210.000
BaWü 49.811 82.911 55.020 60.087 40.000
Bayern 73.573 45.244 3.211 49.909 88.066
Berlin 12.501 73.950 68.264 42.017 74.399
BB 26.211 17.057 3.211 18.564 7.815
Bremen 5.441 7.218 5.734 6.080 9.054
Hamburg 8.352 13.822 10.605 10.442 32.215
Hessen 30.199 19.430 3.211 21.203 43.783
MV 20.594 20.077 9.575 18.028 5.410
NDS 49.581 30.965 3.211 34.031 42.710
NRW 126.800 101.425 307.690 197.319 54.211
RLP 24.492 30.694 17.871 24.757 18.206
Saarland 7.532 5.940 21.039 15.116 3.036
Sachsen 41.397 33.109 20.537 25.811 9.073
LSA 20.782 20.740 10.125 18.429 5.327
SH 33.763 27.389 57.581 41.205 9.235
TH 18.132 12.249 3.211 13.217 14.675
Summen 585.163 578.220 632.215 632.215 667.215

Anmerkung: “2011″ heißt - Vorauszahlungen (Abschläge) in 2011 aufgrund des Rechenschaftsberichtes 2009 und der Ergebnisse aus Landtagswahlen bis einschließlich 2010. Usw. Die endgültige Festsetzung erfolgt erst im Februar des Folgejahres.

Das Dilemma besteht fort

Dieser Satzungsänderungsantrag hat nur eine knappe Mehrheit von 51% bekommen und wurde damit abgelehnt.

Das bedeutet, daß NRW fast 50% der Parteienfinanzierung erhält und 5 Landesverbände zunächst gar nichts. (Wie der Bund das verbliebene Geld aufteilt, ist nun noch offen.)

Das bedeutet, daß fast alle LVs nun neidisch auf NRW schauen und erwarten, daß dieser LV Geld herausgibt.

Der Landesverband Berlin hat eine Initiative gestartet und will 20.000 EUR an andere LVs auszahlen. Der LV Baden-Württemberg will dem LV Bayern 3.000 EUR an Zuschuß geben.

Der LV NRW hat einen Topf von 50.000 EUR für andere LVs beschlossen.

Darlehen sind generell eine schlechte Lösung, denn es ist nicht vorhersehbar, ob und wann diese zurückgezahlt werden können.

Das bedeutet, daß die ausreichende Finanzierung der Landesverbände nun in den Händen von ein, zwei Landesschatzmeistern liegt, anstatt in der Verantwortung des Bundesschatzmeisters. Das erzeugt sehr viel Druck auf diese Landesschatzmeister und Unmut in der Partei.

Das bedeutet auch, daß z.B. selbst wenn Mecklenburg-Vorpommern 15% bei der Landtagswahl erhält, dieser LV weniger Geld dafür bekommt als Berlin, weil diese 15% aus weniger Wählerstimmen resultieren als 8% aus Berlin.

Wie nun weiter?

Hier ist eine Ist-Analyse. Es gibt verschiedene Vorschläge.

Alles basiert auf dem guten Willen, der nun Jahr für Jahr erneuert werden muß - solange, bis wir durch genügend Eigenmittel an die Obergrenze der Parteienfinanzierung kommen.

Eine Planung für die Schatzmeister ist schwierig.

Mitteilungen des Deutschen Bundestags

Parteienfinanzierung Zahlungen 2012 [PDF]

Parteienfinanzierung Zahlungen 2011 [PDF]

Wählt weise

von: Irmgard 5. November 2012

Begrüßungsrede zur Aufstellungsversammlung der Piraten Thüringen zur Bundestagswahl

In den letzten Wochen habe ich viel mit Freunden gesprochen: über die Kandidatenwahlen, über das, was die nächsten Monate und Jahre uns bringen mögen.
Einiges davon werdet ihr hier wiederfinden: ohne Quellenangabe, aber ich denke, das ist ok.

2009 haben wir schon einmal eine Kandidatenliste aufgestellt. Diese Piraten kannte kein Mensch- es war auch unerheblich. Wir sind mit unseren Inhalten in den Wahlkampf gegangen.

An Infoständen fragte uns niemand nach dieser oder jener Person. Wir haben uns den Mund fusslig geredet über Zensur und uneingeschränkte Kommunikation, über Abgeordnetenbestechung, über freien Zugang zu Wissen für alle, über Bürgerrechte.

So einfach ist es jetzt nicht mehr. Wir wurden eingeholt vom Mainstream: von Presse und Erwartungshaltung der Leute, die Identifikationsfiguren und Reibungsflächen suchen.
Köpfe für Themen halt.

Freunde haben gesagt: Die Piraten müssen jetzt ein dreiviertel Jahr ausschließlich Wahlkampf für diese Kandidaten machen.
Ganz so ausschließlich - und auch nicht so mit dem etwas pessimistischen Unterton - sehe ich es nicht. Wir haben eine gute und starke Basisarbeit, um genügend Themen damit transportieren zu können.

Aber trotzdem:
Wir wählen jetzt Menschen, die für 5 Jahre in den Bundestag ziehen sollen. 4 Jahre - so lange kennen wir uns alle noch gar nicht. Wir erbringen einen großen Vertrauensvorschuß, denn wir haben keinen Einfluß darauf, wie diese Menschen in den nächsten Jahren reden und entscheiden werden.

Deshalb werde ich nur Menschen wählen, die ich persönlich kenne, denen ich vertraue.

Nicht nur in Thüringen - will ich Piraten im Bundestag haben, die wissen, warum wir das hier angefangen haben und die das auch dort nicht vergessen.

Ich will niemanden von denen haben, die das nur als weitere Sprosse auf ihrer Karriereleiter ansehen, die sich um des eigenen Machterhaltes willen auf Kuhhandel einlassen: ein bißchen Transparenz gegen ein bißchen Vorratsdatenspeicherung?

Wir brauchen starke Menschen, die sich von Gegenwind - und der wird kommen, wir merken es ja jetzt schon - nicht aus der Bahn bringen lassen. Wir brauchen kluge Menschen, die genau wissen, auf was sie sich hier einlassen. Wir brauchen Menschen, für die unsere Grundanliegen einfach selbstverständlich sind und die sich auch in den kommenden Jahren nicht davon abbringen lassen werden.

In diesem Sinne: wählt weise.

Eisenberg, 3.November 2012

(Anmerkung: den Fehler mit den 5 Jahren habe ich gesagt, deshalb bleibt der auch hier stehen. Ansonsten ist es sicher nicht ganz wortwörtlich, aber fast.)

Sellerie statt Chips

von: Irmgard 31. August 2012

ALDI hat mal wieder umgeräumt. Machen Kaufhallen öfter mal gern - damit die Leute länger suchen müssen und hoffentlich dabei das eine oder andere mehr in den Einkaufswagen packen.

In fast allen Kaufhallen ist es so: Gemüse, Brot, Butter, Konserven, Haushaltswaren, Schnaps, Getränke - und Süßkram. Die Quengelstrecke vor der Kasse - Menschen mit Kindern kennen das.

Jetzt stehen beim ALDI Chips und Schokolade gleich am Anfang und das Regal mit Obst und Gemüse direkt an der Kasse.

Also ich hab ja schon manchmal in der Schlange gestanden und noch eine Tüte Chips oder Gummibären fürs Kind in den Wagen gelegt. Aber noch nie hab ich mir gedacht: hach so schöne Sellerie, da nimmst du doch nochmal zwei mit.

Ich gehe auch ganz sicher nicht noch einmal zurück wegen ein paar Keksen oder Schokolade.

Umsatzfördernd kann es nicht sein. Aber vielleicht ist es ja einfach ein Beitrag zur gesunden Ernährung.

Mal wieder am Abgrund

von: Irmgard 28. August 2012

Oder: Was alles so in der Zeitung steht

So, die Piratenpartei ist wieder einmal am Abgrund, diesmal am finanziellen. Wenn es die Wirtschaftswoche schreibt, muß es ja stimmen.

An diesem Artikel ist so viel falsch und tendenziös, daß man eigentlich Satz für Satz widerlegen könnte.
Die Version in der Printausgabe enthält noch einige Unrichtigkeiten mehr.

1. Vorgeschichte

Ende Juli wurden Bundesschatzmeister und die Landesschatzmeister von der Wirtschaftswoche angeschrieben mit Fragen zur Finanzsoftware.
Hier gibt es die Antworten von Thüringen; die anderen Landesschatzmeister haben ähnlich geantwortet.

Von diesen Antworten ist nicht ein Satz in dem Artikel zu finden.

2. “Zettelwirtschaft”

Die Printausgabe prangt mit der Schlagzeile “Unsere Unterlagen bestanden aus einem Schuhkarton Belege” und “Eine verhängnisvolle Zettelwirtschaft gefährdet Budget und Erfolg..”

Ja, 2009 war das so. Weil die 1000 Mitglieder damals sich erst einmal in die politische Arbeit gestürzt haben, Landesverbände gründeten, tausende Unterschriften für die Zulassung zur Bundestagswahl und Europawahl sammelten. Alles in der Freizeit, alles privat finanziert.

Von Null angefangen, mit einem Wahlkampf über ein paar Wochen und nahezu ohne Geld haben wir fast 2% bei der Bundestagswahl eingefahren - und damit einen Anspruch auf staatliche Parteienfinanzierung bekommen.

Voraussetzung dafür war allerdings die Abgabe eines Rechenschaftsberichtes - und nicht nur für 2008 sondern für die 3 letzten Jahre - also seit 2006, dem Zeitpunkt der Gründung.

Der damalige Bundeschatzmeister Bernd Schlömer nahm diese Herausforderung an und organisierte ein Steuerbüro mit einer unglaublich engagierten Steuerberaterin. Sie stellte für die Piratenpartei einen Kontenrahmen auf und machte aus dem Schuhkarton mit Zetteln und diversen Listen 3 Jahresabschlüsse.
Diesen Wiki-Eintrag aus der Piratengeschichte als Aufhänger für die Situation in 2012 zu benutzen, ist schon strange.

3. Fristverlängerung

Mit der Fristverlängerung der Abgabe des Rechenschaftsberichtes “gefährden die Piraten ausgerechnet vor der Bundestagswahl den Erhalt staatlicher Mittel für die Parteienfinanzierung”. Das ist so lächerlich, daß es eigentlich keiner Worte bedarf.

Diese Fristverlängerung ist vom Gesetzgeber als Möglichkeit eingeräumt worden und sowohl Parteien als auch Firmen in der Wirtschaft nehmen dies in Anspruch.
Das ist überhaupt nix schlimmes sondern normal.
So wurde z.B. der Rechenschaftsbericht der CDU für 2010 am 12.12.2011 unterschrieben. Aber man kann natürlich auch eine Fast-Katastrophe daraus konstruieren.

4. Das Finanzchaos

“Auch ein für rund 55.000 Euro angeschafftes Softwareprogramm namens Sage konnte noch nicht für Ordnung im Finanzchaos der Partei sorgen.”

Zunächst: SAGE ist nicht irgendeine Firma sondern gehört neben DATEV und SAP zu den Großen auf dem Gebiet der Finanzsoftware. Die Formulierung “Softwareprogramm namens Sage” spricht da nicht gerade für die Kompetenz der WiWo.

Für die Jahre bis einschließlich 2010 hat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft uns nach der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfung eine ordnungsgemäße Buchhaltung bescheinigt. So groß kann das Chaos also nicht gewesen sein.

Das Jahr 2011 für den LV Thüringen mit seinen damals 2 Kreisverbänden wurde von mir komplett in SAGE nachgebucht. Unser Buchhalter für den Bund hat einen weiteren Landesverband in 2011 gebucht.
Das war zum einen learning by doing und zum anderen haben unsere Wirtschaftsprüfer nun den gewünschten Vergleich zur Buchhaltung mit DATEV, die bis zum Jahresabschluß 2011 noch im Einsatz ist.

Derzeit buche ich den Bund 2012. Januar bis Juni sind fertig im SAGE.

Wie es aktuell steht, hat unsere Bundesschatzmeisterin beantwortet.

5. “immer noch Schwierigkeiten”

Damit wurde unser voriger Bundesschatzmeister Rene Brosig mit einer Aussage vom Jahresanfang zitiert.

Der Fakt ist: In einer Organisation mit über 30.000 Mitgliedern wurde die komplette Mitgliederverwaltung auf ein neues System umgestellt und eine neue Finanzsoftware eingeführt. Jeder, der schon einmal beruflich eine Umstellung der zentralen Verwaltungssoftware bei einem größeren Unternehmen begleitet oder selbst mitgemacht hat, weiß, was das bedeutet. In einem Unternehmen dieser Größenordnung wäre eine ganze IT-Abteilung hauptberuflich und volltags über Monate hinweg damit beschäftigt.

Wir haben auch Monate gebraucht. Mit Menschen, die Abends, Nachts, an Wochenenden, im Urlaub daran geschuftet haben, bis es läuft. Ehrenamtlich.

6. Der Brüller zum Schluß

“Schon jetzt ist klar, dass die Piraten im Wahlkampf auf Werbeagenturen verzichten müssen”

Das ist so absurd komisch.

Man kann natürlich viel Geld ausgeben, um ein Kind neben einen Politiker ins Bild zu montieren oder 800.000 EUR Schulden aufnehmen, um Plakate entwerfen zu lassen.

Aber man muß es nicht. All unsere Plakate wurden und werden von Piraten entworfen. Und die sind verdammt gut.