Es wiehert der Amtsschimmel

von: Irmgard 21. Juni 2011

Im Rahmen des Programms für Bürokratieabbau (http://www.bundesregierung.de/nn_151820/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/Reformprojekte/doorpageelement-buerokratieabbau.html ) hat unsere Regierung in ihrer unergründlichen Weisheit dieses festgelegt:

Die Lohnbuchhaltung benötigt einen „Nachweis der Elterneigenschaft aller Mitarbeiter, sofern gegeben. Allein der Nachweis des Kinderfreibetrages auf der Lohnsteuerkarte ist für die Prüfung im Rahmen der Deutschen Rentenversicherung nicht ausreichend.“

Sprich, das Steuerbüro braucht die Kopie der Geburtsurkunde von einem Kind, sofern vorhanden. Zur Erklärung: Das Zeugen, Gebären oder Adoptieren von Kindern führt zu einer Verringerung des Beitrages für die Pflegeversicherung, weil die Kinder sich ja dann schließlich mal um ihre dementen Alten kümmern werden.

Viele Kinder führen dabei nicht zur weiteren Verringerung; ein Kind reicht.

Weil man in unserem Land ja auch gar nicht weiß, wem die ganzen Kinder gehören, wird ja gerade auch das Volk gezählt. ( http://zensus11.de/ )

Ich kann nix dafür aber ich bin zumindest in der richtigen Partei. :)


Genau dies hab ich an meine Kollegen gemailt - mußte ich ja, denn das Steuerbüro will das Papier.

Die Arbeitsproduktivität sank daraufhin schlagartig, weil sich jetzt jeder über diesen Schwachsinn aufregt.

Es ist so krank: Das Finanzamt weiß es, die Kindergeldkasse weiß es, der Kindergarten/Hort weiß es, die Krankenkasse weiß es und damit auch die Rentenversicherung, alles ist doch sowieso vernetzt - aber nein

MEHR PAPIER BRAUCHT DAS LAND!

Schwarmintelligenz

von: Irmgard 14. Juni 2011

Seit dem ersten Juni 2011 treib ich mich ja auch bei twitter herum. Auch dort lernt man neue Dinge - abgesehen von den ganzen Neuigkeiten und NichtGanzNeuigkeiten, die man laufend auf seiner timeline findet.

“Neugierig, weitgehend beratungsresistend”

Es wunderte mich, was für seltsame Leute ich plötzlich als follower hatte. Leute, von denen ich noch nie was gehört hatte - und von denen ich eigentlich auch gar nichts jemals hören wollte. Ich habe gelernt, daß das twitterbots sind, also Accounts, die allem und jedem folgen in der Hoffnung, daß diese ihren Account auf autofollow gestellt haben - also damit neue follower generieren.

Diese kann man dann prima vollspammen mit Links zu überteuerten Urlaubsangeboten, Selbsthilfe-Ratgebern und ähnlich nutzlosen Dingen.

“Wir bringen Persönlichkeiten zusammen!”

Das Schöne an dieser Sache: In deren follower-Liste finden sich man fast nur genausolche Anbieter wieder. Das Gratisch-Fetischforum steht über Bäder mit exklusivem Design, mit naturreinen Räucherstäbchen aus Nepal und RySlim Green Coffee mit Ling Zhi, wo sich dann der pensionierte Banker neben dem Kölner mit Marketing-Erfahrung wiederfindet.
Eine Dame mit tiefem Dekolleté möchte gern Privatkredite von Privat an Privat zeigen (so nennt man das also heutzutage, interessant) womit man dann beispielsweise Geschäftsgelegenheit, Geld, Beauty, passives Einkommen, Erfolg, Business, MLM, Erfolg finanzieren könnte. Das Geld könnte man dann wieder für nice vacation villas in Cape Coral,Florida oder für Elektrosmog-Neutralisation ausgeben.

“Folge mir und Du erhälst wertvolle Tipps.”

Die Infos über persönliche, familiäre und finanzielle Gesundheit konkurrieren mit dem Ratgeber für mentale, geistige und körperliche Fitness

Bei diesem Überangebot braucht man selbstverständlich auch Informationen zur Zeitersparnis und customized solutions for your businesses and activities; vielleicht hilft auch Selbsterkenntnis durch Symbiose aus Neurowissenschaft und Meditation.

Das ist so krass: kein Mensch liest das Ganze, da “reden” bots mit bots. Quasi im Selbstlauf bilden sich künstliche Netzwerke - erste Formen von Schwarmintelligenz? Wir sollten das beobachten.

Ich frag mich allerdings, wie der Generalsekretär FDP Thüringen da hineingeraten ist. Vielleicht möchte er ja nur trotz Stress ein entspanntes Leben führen.

Rekursives web 2.0

von: Irmgard 7. Juni 2011

So das Blog ist jetzt web-zwo-null gepimpt und jeder sieht, was ich grad (oder jedenfalls so vor kurzem) in die Welt gezwitschert habe.

Und wenn ich jetzt diesen Artikel twittere, endet es in Rekursion und ein schwarzes Loch wird das Universum verschlingen.

Ich geh grad mal mein Handtuch holen.

Mach Dich nackig

von: Irmgard 2. Juni 2011

Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen sowie das aller Mitglieder Ihres Haushaltes?

Wenn Dich das ein wildfremder Mensch fragen würde und Du außerdem wüßtest, daß er das in irgendeine Datenbank tippt, wo Du nicht weißt, wer das alles liest - was würdest Du tun?

Ihn abtreten lassen? Tja, Fehlanzeige. Damit machtest Du Dich strafbar.

Den meisten vermutlich unbekannt, hat unsere demokratische Regierung in ihrer untergründlichen Weisheit beschlossen, daß sie aber nun wirklich alles über ihre Untertanen wissen will.

Nicht nur, wieviel Klos und Badewannen und Kinder und Lebensgefährten man in seiner Wohnung hat - nein, was und wieviel und warum man arbeitet oder auch nicht - wieviel man verdient (wie oben schon erwähnt) und woher das Geld kommt, ob man gerne arbeiten würde oder wenn nein, warum nicht, ob man Deutscher ist und wie lange man schon hier wohnt, wo die Eltern, Kinder und Ehepartner leben - und all das wohlgemerkt, nicht nur für einen persönlich, sondern für alle Angehörigen des Haushaltes, ob sie wollen oder nicht.

Wer jetzt denkt, ich müsse doch wohl fantasieren, das wäre doch nicht möglich in einem Land, wo jeder Betrieb gesetzlich verpflichtet ist, einen Datenschutzbeauftragten zu beschäftigen, der über die personengebundenen Daten der Mitarbeiter wacht - der möge sich mal mit den so harmlos klingenden Wort

Mikrozensus

beschäftigen.

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50 Prozent

von: Irmgard 17. Mai 2011

Also immerhin haben wir in den Umfragewerten schon fast 50% von denen der Partei erreicht, welche in unserem Land den Wirtschaftsminister, den Gesundheitsminister, den Justizminister und den Außenminister und Vizekanzler stellt.

Cool.

Weils so schön ist: Volker Pispers über den BPT der Piraten

Neue Kapitäne

von: Irmgard 17. Mai 2011

Piratenlogo Am Wochenende 14./15. Mai war Bundesparteitag der Piraten. Ich denk, ich hab doch etwas verpaßt, weil ich nicht dabei war.

Wir haben einen (fast) ganz neuen Bundesvorstand und ich hab mal den Taschenrechner genommen: Durchschnittsalter 30 Jahre. Also eigentlich müßten uns mindestens alle unter 40 wählen.

Von den 7 Leuten kenne ich 3 und ich halte große Stücke auf sie.

Wir haben ein Arbeitstier als Stellvertretenden Vorsitzenden, einen Schatzmeister, der nicht nur Ahnung hat von seinem Job, sondern auch gute Pläne für unsere Partei und einen emsigen Gensek, der hoffentlich weiß, was mit der ganzen Mitgliederverwaltung auf ihn zukommt (byebye Wilm)

Wie moderat unser neuer Vorsitzender die Partei steuert, wird sich zeigen, ich bin neugierig und optimistisch.

Unsere Politische Geschäftsführerin kenne ich leider noch nicht, aber ich könnte mir vorstellen, daß uns die anderen um diese kluge wortgewandte Frau bald beneiden werden.

Dann gibt es einen Beisitzer und noch eine Beisitzerin, um die Fronarbeit auf etwas mehr Schultern zu verteilen.

Die Kurzfassung vom BPT gibts bei Gulli. Die PM gibts bei Piratens. Die Langfasssung gibt es auch. Das komplette Protokoll mit wörtlicher Rede habe ich am Sonntag Abend 3 Stunden nach Ende des Parteitages gelesen. 2 Tage á 10 Stunden komplett protokolliert. Der Erfurter Stadtrat bekommts noch nicht mal hin, die 3 Stunden Stadtratsitzung so mitzuschreiben, daß man die als interessierter Bürger mal nachlesen kann.

Das Internet ist kein Radio!

von: Irmgard 10. Dezember 2010

Unsere Politiker haben doch allesamt voll einen an der Waffel. Oder wie kann man mit gesundem Menschenverstand ernsthaft beschließen, “Sendezeiten” für das Internet einzuführen?

Und alle regierenden Parteien nicken ab. Auch wenn man ja eigentlich dagegen wäre, ist man trotzdem für diesen “Jugendenmedienschutzvertrag”. Aus Fraktionstechnischen Gründen. Oder so.

Aber ein “Internetministerium” einführen wollen - wo man keinen Plan vom Internet hat. Naja, “keine Ahnung und davon viel” ist ja offensichtlich Grundvoraussetzung.

Sie werden es nicht begreifen: da kann man noch soviel Gesetze machen - Ideen lassen sich nicht einsperren. Die Leute mit Ahnung sorgen schon für Alternativen.

Für die Abmahnanwälte ist das ein gefundenes Fressen. Da reibt sich bestimmt schon mancher die Hände und hat die ersten Abmahnungen bereits im Postausgang liegen. Da werden es vielleicht auch die Leute mitkriegen, an denen alles vorbeigeht, weil man sich mit der eigenen kleinen Webseite plötzlich strafbar gemacht hat.

Bis dahin werden  wir erstmal weiterhin nach Bombenkoffern auf Weihnachtsmärkten Ausschau halten und die Nachbarn bei der Polizei anzeigen, wenn sie unverständlich reden.

Plan vs Markt

von: Irmgard 8. Dezember 2010

Also in der DDR hatten wir ja die Planwirtschaft. Da wurde geplant, was die Menschen zu benötigen hätten und das wurde dann produziert. Beziehungsweise, es wurde geplant, zu produzieren, denn die Produktion reichte halt nicht immer.

Jetzt haben wir die Marktwirtschaft. Die sollte das produzieren, was die Menschen haben wollen und davon viel. Dachte ich.

Kann  mir dann mal bitte jemand erklären, warum es in der Kaufhalle seit Wochen keinen Glühwein gibt, dafür aber das Regal voller Maibowle steht? Danke.