So sieht es aus

von: Irmgard 29. November 2013

Wenn wir jetzt zurückblicken auf die letzten Wochen und Monate, erscheint uns vieles sonnenklar und dabei hatten wir ganz offensichtlich die ganze Zeit die Augen geschlossen. Wir waren naiv wie Kinder. Wir dachten, unsere Ideen und Vorstellungen sind doch gut und richtig und wenn wir das nur möglichst vielen Leuten erzählen, dann müssen wir die doch überzeugen. Wir hatten viel positives Echo an den Infoständen und ja - auch in den Medien.
Wir haben uns gefreut über 5 Leute, die interessiert am Infostand stehen geblieben sind und haben nicht auf die 500 geschaut, die unbeteiligt vorbeigelaufen sind.

Jetzt sind wir sehr unsanft aufgeschlagen und noch dabei, unsere Wunden zu lecken.

Wofür sollten wir gewählt werden?

Wir haben inzwischen unglaublich viel in unserem Programm. Zum großen Teil sind es gute und richtige Dinge. Aber es ist unstrukturiert. Wir unterscheiden nicht zwischen den großen Ideen, also dem, wo wir eigentlich hinwollen und den ganz konkreten praktischen Dingen. Abgesehen davon, dass sich das kaum einer alles durchliest, der uns wählen wollen würde.

Aber noch mal: wofür sollte man uns wählen?

Für unsere Sozialpolitik? Für unsere Umweltpolitik? Für Feminismus und Unisex-Klos?
Eher nicht. Wer “Sozial” haben möchte, wählt SPD oder Linke, wer “Umwelt” haben möchte, wählt grün. Gegenderte Texte sind auch nicht das, was die Leute als oberstes auf ihrer Wunschliste haben.
Das mit der Wirtschaftspolitik frage ich erst gar nicht - das fragt uns nämlich auch keiner.
Für das BGE? Da sollten wir einmal ganz ehrlich sein und das so beantworten, wie es auch in unserem Programm steht. Es ist ein Plan, wo es einmal hingehen sollte. Es ist nichts, was auch nur in den nächsten 10 Jahren verwirklicht werden könnte.
Dieses ganze Thema ist auch überhaupt nicht Infostand-tauglich. Was man da erst einmal alles erklären muss…
Da kommen dann eher solche Antworten wie: Viel versprechen, wenig halten.

Dann sollten wir uns fragen, von wem wir überhaupt gewählt werden würden.

Von der großen Mehrheit nicht.
Die interessieren sich schlicht und ergreifend nicht für persönliche Freiheit, ob der Abgeordnete korrupt ist oder nicht, ob ihre E-Mails gelesen werden oder nicht. Diese Leute erreichen wir auch mit den anderen Themen nicht. Die wählen “Angie” oder “Sozial” oder “Ausländer raus”.
Diese Leute schreiben “Clan Der Unfähigen” und noch andere markige Sprüche gegen die CDU auf große Tafeln in ihrem Heimatdorf, weil die versprochene Umgehungsstraße nicht kommt - aber wählen trotzdem tiefschwarz. Man wählt das, was man schon immer gewählt hat, weil es bequem ist und man es trotz allem lieber so lässt, wie es ist, weil man das kennt.

Als Klientel haben wir wohl tatsächlich nur eine kleine Gruppe von Menschen, die tatsächlich an Veränderung in der Gesellschaft interessiert sind, die es genauso ankotzt, dass ihr ganzes Leben überwacht wird, die echte Mitbestimmung haben wollen bzw. an Entscheidungsprozessen mitwirken wollen.
Dann mag es noch eine Gruppe geben, der es wichtig ist, dass auch Visionen gedacht werden, dass es Menschen gibt, die länger als in einer Legislaturperiode denken und die Entscheidungen auch für Generationen treffen wollen und nicht nur bis zur nächsten Wahl.
Ich hoffe jedenfalls, dass es die noch gibt, denn ich fürchte, die haben wir in den letzten Jahren wohl gründlich enttäuscht.
Dann gibt es noch diese Protestwähler, die es den “Großen” einfach “mal zeigen” wollen. Die waren mal kurz bei uns, dann war es nicht mehr aufregend genug, jetzt kann man die Großen mit der AfD besser ärgern.

Die Zeiten stehen gegen uns

2009 war die Gesellschaft erstarrt in der Unbeweglichkeit der großen Koalition, die dann noch mit dem unsäglichen Zenzurgesetz ihre völlige Unfähigkeit in Kommunikation und Informationsfluss demonstrierte. Schlimme Bedrohungen gab es nicht, da waren wir genau zum richtigen Zeitpunkt da.
Jetzt haben die Leute andere Sorgen: Was wird mit dem Euro? Wir haben keine Antwort - die anderen übrigens auch nicht  - aber man sucht jetzt nach dem starken Mann. Oder halt der Mutti, die alles heile macht. Internet? Überwachung? Leistungsschutzrecht? Interessiert gerade nicht so besonders. Da gehen die Leute lieber zur AfD, weil sie dort Bestätigung der Stammtischparolen finden.

Aber trotzdem

Wir sind die einzigen - wirklich die einzigen - die sich noch gegen diesen ganzen Wahnsinn stellen.

Was bleibt also?

Das, womit wir einmal angetreten sind, was uns immer noch im Herzen brennt und was uns wahnsinnig macht, dass es dermaßen ignoriert und mit Füßen getreten wird:
Bürgerrechte, Transparente Entscheidungsfindung, Sinnvolle Netzpolitik, Datenschutz und vor allem Stopp des ganzen Überwachungsirrsinnes
Und nein. Das ist kein “Zurück zu den Kernthemen”. Das ist “Das können wir, da haben wir Ahnung und die anderen nicht. Und wenn ihr sonst noch was braucht - haben wir auch im Programm und zwar in gut.”

my 2 cents